Die 12 wichtigsten Vorurteile gegen Pedelecs, die Du kennen musst.

Veröffentlicht: 28. Mai 2022

Autor: Thomas Jansen

Für alle, die im Netz unterwegs sind, ist es notwendig, die wichtigsten Vorurteile gegen Pedelecs zu kennen. Damit haben Torben-Jannik Muskelmann und seine Freunde dann alle Mittel der Hand, ihre Überlegenheit zu zeigen, weil sie auf normalen Rädern unterwegs sind, welche ausschließlich durch Muskelkraft betrieben werden. Wir dröseln die mal auseinander, nicht unbedingt sachlich, das ist nicht unser Job. Aber vielleicht regt es deinen einen oder anderen Hardcore-Radfahrer mal zum Nachdenken an. Gegenseitiger Respekt, eine Eigenschaft, welche uns allen mal gut tun würde.

Disclaimer vorab, zur Puls-Senkung

Vorab aber noch ein paar Begrifflichkeiten, die ganz genau definiert sein sollen. Denn sonst kommt Dominique-Kevin Klugscheißer um die Ecke und fährt große Geschütze auf. Hier in dem Beitrag geht es um Pedelecs, also Fahrräder, welche einen Elektromotor zur Unterstützung nutzen. Die fahren nicht von allein und die Unterstützung wird bei Geschwindigkeiten über 25 km/h abgeschaltet. E-Bikes sind dagegen bis 45 km/h zugelassen, benötigen aber ein Versicherungskennzeichen und einige davon können sogar allein fahren, ohne dass man selbst strampelt. Im allgemeinen Sprachgebrauch werden aber auch Pedelecs gerne E-Bikes genannt, was Dominique-Kevin reflexartig dazu veranlasst, das richtigzustellen.

Dann gibt es noch die Bio-Bikes, also Räder ohne irgendwelche Unterstützung. In Kreisen von Torben-Jannik die einzig wahre und richtige Art, sich mit dem Fahrrad fortzubewegen.

Und noch ein Hinweis: Vielleicht habt Ihr es schon gemerkt, der Beitrag ist nicht sachlich, er ist polemisch und eine Art Rant. Wenn Du es bis hierhin noch nicht gemerkt hast, dann lese besser woanders weiter, der Rest würde Dich verstören.

Vorurteile gegen Pedelecs

So, nun aber zu den Vorurteilen gegen Pedelecs, die Du unbedingt kennen musst. Damit bist Du in jedem Social Media, in jedem Forum ganz weit vorne dabei:

  • Pedelecs sind teuer
  • Pedelecs sind nur für alte Menschen
  • Pedelecfahrer werden gefahren
  • Pedelecs sind nur für faule Menschen
  • Pedelec fahren ist kein Sport
  • Pedelec Besitzer fahren nur mit dem Auto zu kurzen Touren
  • Pedelecs kann man nicht selbst reparieren
  • Pedelec-Akkus explodieren ständig
  • Pedelecs sind schwer
  • Pedelecs sind gefährlich
  • Pedelec-Fahrer sind Rücksichtslos
  • Pedelec-Akkus, die muss man alle zwei Jahre neu kaufen

Diese Aussagen geschickt in Diskussionen einstreuen, dann kann Dir keiner mehr widersprechen. Das sind Fakten, denn sie stehen ja so im Internet, hier oben, sogar mit Punkten davor. Und obwohl Du selbst noch die ein Pedelec bewegt hast oder mal einen Kilometer im Turbomodus zur Probe gefahren bist, kann Dir keiner mehr was.

Wenn Du das indessen wirklich so siehst, dann Tschüss, Du hast alles gelesen, was Du benötigst, um weiter im Netz auf dicke Hose zu machen. Aber vielleicht, nur so rein theoretisch, willst Du diese Punkte auch mal auseinandergedröselt haben? Einige stimmen, sind aber am Ende kein Argument gegen E-Bikes im Allgemeinen.

Gehen wir die doch mal einzeln durch.

Pedelecs sind teuer

Ja, dieses Vorurteil hat einen wahren Kern. Pedelecs kosten oft mehr als vergleichbare Bio-Bikes. Was auch mehr oder weniger logisch ist, denn Motor und Akku verursachen Kosten. Aber, es gibt Pedelecs in allen möglichen Preisklassen. Die fangen knapp unter 1000 EUR an, nach oben sind nur wenige Grenzen gesetzt. Die preiswerten Räder, besonders aus dem Discounter-Bereich, sind dabei gar nicht so schlecht wie ihr Ruf. Wir kennen Leute, die damit seit Jahren sehr viel Freude haben. Außerdem gibt es einen Sekundärmarkt für gebrauchte Pedelecs, wo man das ein oder andere günstige Angebot findet.

Witzig dabei ist, dass solche Argumente oft von Menschen kommen, die selbst auf 4.000-EUR Rennrädern oder Gravelbikes unterwegs sind. Schon schön, dass man in den Social Medias diese Informationen rasch findet.

Pedelecs sind nur für alte Menschen

An diesem Vorurteil stört das „nur“. Warum? Es gibt auch jüngere Menschen, die gerne mit Unterstützung fahren. Sei es, um nicht verschwitzt bei einem beruflichen Termin anzukommen oder weil sie gerne ein Backup haben, wenn die Kraft mal ausgeht. Und wo fängt „alt“ eigentlich an? 40, 50, 60 Jahre oder doch erst mit 70. Generell ist es ja richtig, je älter man wird, desto eher freut man sich über (gelegentliche) Unterstützung beim Radeln. Die Pauschalaussage ist allerdings Schwachsinn. Denn wir kennen einige Ü70-Menschen, die uns mit dem Bio-Bike in Grund und Boden fahren.

Pedelecfahrer werden gefahren

Ja, eines unserer Lieblingsargumente in Diskussionen, welches wir immer wieder gerne lesen. Denn dann wissen wir, dass das Gegenüber noch keinen Meter auf einem Pedelec gefahren ist und man das Gespräch auch beenden kann. Nein, Pedelecs fahren keinen Meter von allein, denn dann wären es keine Pedelecs mehr. Es muss gestrampelt werden und dabei kann eine Unterstützung gewählt werden, die man an seine persönlichen Bedürfnisse anpassen kann.

Pedelecs sind nur für faule Menschen

Das ist mit Abstand die dümmste Aussage zum Thema Pedelec, die es gibt. Denn sie ist so pauschal einfach falsch. Wenn die Menschen faul wären, würden sie sich in ihr Auto setzen. Jeder, der ein Pedelec fährt, will sich bewegen und tut das auch. Die einen fahren dann sportlicher, ohne oder nur mit geringer Unterstützung, andere fahren mit mehr Unterstützung zum Einkaufen oder ins Büro. Trotzdem bewegen die sich, sind an der frischen Luft unterwegs und lassen in dem Moment ihr Auto stehen.

Pedelec fahren ist kein Sport

Auch diese Aussage ist so pauschal einfach falsch. Viele Pedelec-Fahrer machen damit richtig sportliche Touren. Bio-Bike-Fahrer gehen aber oft davon aus, dass wir dabei die Unterstützung ständig im Turbo-Modus aktiv haben. Wir selbst, und wir kennen viele andere Pedelec-Fahrer, die ebenso unterwegs sind, erleben das aber anders. Oft fahren wir, auch längere Strecken, ganz ohne Unterstützung oder allenfalls im Eco-Modus, in der geringsten Stufe. Denn man darf eines nicht vergessen, so ein Pedelec wiegt erheblich mehr, als vergleichbare Bio-Bikes. Unsere Räder wiegen zwischen 23 und 25 Kilogramm und diese wollen auch bewegt werden. Und um dieses Mehrgewicht auszugleichen, gerade beim Anfahren, ist der Eco-Modus klasse.

Wenn es dann bergauf geht, oder der Gegenwind sehr stark ist, dann wird die Unterstützung ein wenig höher gestellt. Trotzdem bleibt an in Bewegung. Und diese Bewegung veranlasst den Puls zu steigen. Beim Pedelec-fahren befindet sich der Puls oft im aeroben Bereich, also dem idealen Wert um etwas für Ausdauer und Fitness zu tun.

Außerdem fährt man mit dem Pedelec längere Stecken. Man sitzt also länger im Sattel, als die gleiche Person es mit dem Bio-Bike tun würde.

Pedelec Besitzer fahren nur mit dem Auto zu kurzen Touren

Das mussten wir uns schon öfter anhören, wenn wir mit unseren Pedelecs an den Wochenenden nach Holland fahren. Wir haben auf unseren Touren mal drauf geachtet, was so auf den Fahrradträgern durch die Gegend gefahren wird. Das Verhältnis Pedelecs/Bio-Bikes lag dabei etwa bei 50/50. Also sind es nicht nur die E-Pedelec-Menschen, die mit dem Auto zu Touren fahren. Man sieht auf den Trägern auch erstaunlich viele Rennräder oder Gravelbikes.

So, und wer sagt, dass man dann am Zielort nur kurze Touren fährt? Und was ist kurz, wer definiert das? 20, 50, 70 Kilometer? Lasst doch einfach jeden so viel fahren, wie er Spaß daran hat.

Ja, es gibt auch die Radler, die innerhalb einer Stadt zu einem Startpunkt mit dem Auto fahren. Und? Wo ist das Problem? Bei unserer innerstädtischen, nicht vorhandenen Infrastruktur für Radfahrer können wir jeden verstehen, der vielleicht die ersten paar Kilometer diesen Wahnsinn nicht erleben will.

Pedelecs kann man nicht selbst reparieren

Ja, auch dieses Argument haben wir schon gelesen. Woher so eine schwachsinnige Aussage kommt? Keine Ahnung. Prinzipiell ist ein Pedelec ein ganz normales Fahrrad. An diesem kann man alles selbst reparieren, wie an einem Bio-Bike. Die mechanischen Komponenten sind identisch. Eng wird es, wenn etwas an der Elektronik des Bikes kaputtgeht oder der Akku seinen Geist aufgibt. Daran sollte man tunlichst nicht selbst rumschrauben, am Akku schon gar nicht.

Pedelec-Akkus explodieren ständig

Ja, wenn man da selbst daran rumtüddelt, die mal böse fallen lässt oder irgendwelche Billig-Chinaimporte nutzt. Dann kann das zu einem sehr unschönen Feuerwerk führen. Wenn man aber originale Akkus nutzt und diese vernünftig und sachgemäß nutzt, passiert da überhaupt nichts. Und wenn Ihr da Angst vor habt, dann entfernt sofort den Akkuschraube, die elektrische Zahnbürste, den Saugroboter und alles andere mit Akkus aus Eurem Leben. Denn da sind die gleichen Akku-Typen verbaut, nur etwas kleiner.

Pedelecs sind schwer

Jo, stimmt. Und nun? Dafür haben die einen Motor, um das Mehrgewicht auszugleichen.

Ein Problem ist es aber, wenn man die Räder nicht ebenerdig abstellen kann. Für uns war klar, wenn wir die Pedelecs nicht in der Garage hätten abstellen dürfen, dann hätten wir die nicht gekauft. Die Teile würden wir nur ungern in den Keller oder hoch zur Wohnung wuchten.

Pedelecs sind gefährlich

Auch diese Aussage ist bedingt richtig. Generell sind aber nicht die Pedelecs gefährlich, sondern die Menschen, die drauf sitzen. Wer lange kein Rad gefahren ist, keine Übung hat, sollte gerade bei den ersten Kilometern mit einem Pedelec vorsichtig anfangen. Die einsetzende Unterstützung kann zu unerwarteten Fahrerlebnissen führen. Daher, wen umsteigt oder mit dem Pedelec wieder einsteigt, sollte das ein wenig üben oder einen Kurs besuchen.

Pedelec-Fahrer sind Rücksichtslos

Ja, es gibt rücksichtslose Pedelec-Fahrer, die mit unmöglichen Geschwindigkeiten zwischen Fußgängern unterwegs sind. Ebenfalls ja, es gibt Bio-Bike-Fahrer, die mit möglichen Geschwindigkeiten zwischen Fußgängern unterwegs sind. Ja, es gibt Fußgänger, die Radwege als Wanderwege benutzen, schon mit drei Leuten nebeneinander.

Kinders, es gibt überall und bei allem rücksichtslose Zeitgenossen. Da kann das Pedelec nichts dafür. Genau sowenig würden wir sagen, dass alle Rennradfahrer arrogant sind, weil die nie grüßen. Aber das tun wir nicht, weil es nicht alle sind, nur die meisten.

Pedelec-Akkus, die muss man alle zwei Jahre neu kaufen

Ähm, ja, nee, irgendwie nicht. Auch das haben wir wirklich in den letzten Tagen in einer Diskussion gelesen. Unsere eigenen Akkus gehen nun ins dritte Jahr, haben immer noch eine Kapazität von 93% und da muss gar nichts neu gekauft werden. Das ist auch wieder so ein Schmarrn, der durchs Netz wabbert und von einigen Mitmenschen sogar geglaubt wird.

Miteinander statt Gegeneinander

Lasst uns doch einfach miteinander statt gegeneinander einer großartigen Leidenschaft nachgehen. Das Radeln bringt die Menschen raus, an die frische Luft. Sie bewegen sich, tun ihrem Körper etwas gutes. Der eine will dabei Bestzeiten fahren, der andere will moderaten Sport treiben, der nächste einfach nur von A nach B kommen. Aber alle gemeinsam, an einem Strang gezogen, tun doch etwas gutes, weil sie in dem Moment nicht im Auto sitzen. Einfach den Anderen sein Ding machen lassen, so wie es ihm am meisten Spaß macht.

Und das Pedelec kann doch auch ein Einstieg sein. Thomas überlegt jetzt, nach 3 Jahren auf dem Pedelec, es doch mal wieder mit einem Bio-Bike zu probieren. Zumindest in Regionen ohne Berge. Es ist die Motivation da, geweckt durch die vielen tollen Touren mit teilweiser Unterstützung. Und die Phasen, ohne Unterstützung, wurden immer länger, so kommt nun der Wunsch auf, es mal wieder ohne zu probieren. Allerdings nicht auf dem 23 Kilogramm-Monster.

Lesetipps im Netz

Zu dem Thema findet man noch viele weitere tolle Beiträge im Netz, welche vielleicht ein klein wenig sachlicher an die Sache rangehen:

Vielen Dank für Deinen Besuch

Wir freuen uns riesig über Kommentare unter dem Beitrag oder über das hemmungslose Teilen auf den Social Medias.

Schau auch mal in die anderen Themenbereiche auf dem Blog:

ReisenUSA-Reisen • Ruhrgebiet & NRWE-BikeFotografie • Zoo&TiereFlugzeugfotografieBrettspiele • Gequatsche

Mehr Beiträge der Kategorie E-Bike Blog

  • Radinfrastruktur – nur für die Freizeit vorhanden
    Kategorien: Gequatsche, E-Bike BlogVeröffentlicht am: 17. Mai 2022
  • Radtour im Hoge Veluwe Nationalpark (Niederlande)
    Kategorien: Reiseziele Europa, E-Bike BlogVeröffentlicht am: 27. März 2022
  • 4000 Kilometer Challenge 2021 – Abrechnung
    Kategorien: E-Bike BlogVeröffentlicht am: 05. Januar 2022
  • 4000 Kilometer Challenge 2021 – Stand November
    Kategorien: E-Bike BlogVeröffentlicht am: 29. November 2021

2 Kommentare

  1. Herbert 28. Mai 2022 um 19:04 - Antworten

    Hallo Thomas, ein super Artikel.

    Ein Argument fehlt noch.
    Der E-Bikemotor ist viel zu laut und stört die Ruhe der Natur.

    Alle diese Vorurteile hab ich auch schon gehört. Ich frag mich oft wie dumm dieser Typ Radfahrer ist und wie er es mit diesem Defizit an Intelligenz überhaupt schafft auf zwei Räder geradeaus zu fahren. Gott sei Dank ist es nur eine Minderheit. Aber so ist es heute im Netz. Keiner recherchiert noch, es werden die erstbesten zur vorgefertigten Meinung passenden Argumente aggressiv weiter verteilt.
    Allerdings hab ich festgestellt, dass mit zunehmender E-Bike-Präsenz diese dummen Argumente und die Aggressivität im Vergleich zu vor 5 Jahren erheblich abgenommen hat. Viele dieser selbst ernannten Experten und Besserwisser haben jetzt, welche Überraschung, auch einen Akku unter dem Hintern.
    Meiner ist jetzt sechs Jahre alt (der Akku, der Hintern hat noch einen Fünfer hinten dran), er hat mich jetzt 16.000 km über diverse Hügel, Berge und bei jedem Gegenwind ohne Murren unterstützt. Dass der jetzt müde ist und nach Erneuerung schreit, ist doch normal. Dass Rennradfahrer nicht grüßen, hat einen einfachen Grund. Die sehen nur 10 m geradeaus den Asphalt und hören wegen ihres hohen Pulses selbst das laute Pfeifen des E-Bikemotores nicht. Supi, drei Vorurteile in einem Satz.
    Gruß
    Herbert

    • Thomas Jansen 29. Mai 2022 um 10:52 - Antworten

      Moin Herbert,

      Ok, ich beobachte das ja erst seit etwas über zwei Jahren. Ich habe aber leider nicht den Eindruck, dass es weniger wird. Aber es scheint auch so ein deutsches Problem zu sein. In den Niederlanden sieht das alles irgendwie anders aus. Da habe ich noch keinen Spruch gehört und als mich der erste Rennradfahrer grüßte, wäre ich vor Schreck beinahe vom Rad gefallen.

      LG Thomas

Schreibe einen Kommentar