Sony SEL 70200 – erste Erfahrungen mit dem Teleobjektiv
Etwas über eine Woche haben wir jetzt das Sony SEL 70200 F4 G OSS im Einsatz. Zeit über unsere ersten Erfahrungen mit dem Teleobjektiv zu berichten. Am Wochenende haben wir für einen ausführlichen Test den Zoo in Krefeld besucht und waren mal für eine Stunde am Düsseldorfer Flughafen.
Wir möchten euch das Objektiv vorstellen und zeigen ein paar Bilder, mit unterschiedlichen Situationen und Anforderungen an das Objektiv.
Das Telezoom Objektiv Sony SEL 70200 F4 G OSS
Warum haben wir uns für das Sony SEL 70200 entschieden. Nun, Mitschuld trägt eindeutig Pavel Kaplun, der bekannte Fotograf. Dieser fotografierte auf einem Workshop mit der Kombination aus eben diesem Objektiv und der Sony Alpha 6000. Und genau diese Kombi drückte er Thomas zum Ausprobieren in die Hand, nur für wenige Minuten – das reichte völlig aus. *seufz*
Jetzt ist das Objektiv preislich nicht in der „Kaufen-wir-mal-eben“ Region angesiedelt. Die Preisangaben bei der verschiedenen Händlern schwanken zwischen 1355 und 1699 EUR. Wir haben daher in den letzten Wochen ein Auge auf Angebote für gebrauchte Modelle gehabt. Und da ergab sich ein Volltreffer bei einem Händler in Süddeutschland. Dieser bot das Objektiv als Rückläufer aus einem Umtausch für 999 EUR an. Es war nur zweimal genutzt worden und dem Kunden war es zu schwer, daher hat dieser das Objektiv umgetauscht. Somit haben wir das Objektiv neuwertig für einen richtig guten Preis bekommen.
Objektiv Sony SEL 70200 – Technische Details
Das Objektiv ist für Sony Kameras mit E-Mount-Anschluss gebaut, also für die Systemkameras von Sony.
Die Blende kann über den kompletten Zoombereich auf F4 als Offenblende genutzt werden. In den nächsten Wochen kommt noch eine Variante des Objektives mit Blende 2,8 auf dem Markt. Nur wird dieses nochmal 1000-1500 EUR teurer sein. Für uns ist die Blende 4 aber ausreichend. Zusammen mit dem tollen Sensor von der Alpha 6000 werden wir kaum Lichtprobleme bekommen.
Weiter bietet das Objektiv einen internen Stabilisator, eine zirkulare Blende mit 11 Lamellen, eine Objektivgewinde mit 72mm und eine Gegenlichtblende gehört zum Lieferumfang. Diese Gegenlichtblende ist übrigens innen mattschwarz ausgekleidet, so dass keinerlei Reflexionen mehr auf die eigentliche Linse fallen.
Die Brennweite von 70-200 Millimeter entspricht dem Brennweitenbereich von 105-300 Millimeter beim Kleinbild. Für uns ist das ein idealer Bereich bei unseren Zoobildern oder beim fotografieren von Flugzeugen. Die Naheinstellgrenze liegt, je nach Brennweite, zwischen 1 und 1,3 Metern. Zusammen mit der Brennweite lassen sich so auch kleinere, nah an der Kamera befindliche Motive fotografieren.
Mit den Abmessungen von 80 x 175mm ist das Objektiv schon ein Brocken. Trotzdem ist es mit 840 Gramm erstaunlich leicht, ohne dabei aber einen unwertigen Eindruck zu machen, ganz im Gegenteil.
Eine Objektivschelle gehört ebenfalls zum Lieferumfang. Diese sollte auch tunlichst benutzt werden, beim Einsatz eines Statives oder zum Anschluss einen Tragegurtes, damit nicht das Gewicht des Objektives an der kleinen Alpha 6000 hängt.
Objektiv Sony SEL 70200 – Funktionen, Einstellungen
Direkt am Objektiv gibt es vier Schiebeschalter mit folgenden Funktionen:
- AF/MF – Auswahl zwischen automatischem und manuellem Fokussieren
- Full/∞-3m – Voller Fokusbereich oder nur von 3 Meter Abstand bis Unendlich. Damit begrenzt und beschleunigt sich der Autofokus.
- OSS On/Off – Ein- Ausschalten des Bildstabilisators. Beim Einsatz auf einem Stativ sollte der OSS abgeschaltet werden.
- OSS Mode 1/2 – Der Bildstabilisator Modus 1 ist Standard, Modus zwei sollte benutzt werden, wenn die Kamera beim fotografieren horizontal geschwenkt wird.
Über zwei Stellringe wird der Zoom bedient bzw. die manuelle Fokussierung durchgeführt. Zwischen den beiden Stellringen findet man noch 3 runde Knöpfe ohne Beschriftung. Diese diesen dazu einen eingestellten Fokus zu speichern, was recht praktisch ist. Fokussieren, speichern und dann auf ein Motiv schwenken.
Das Sony SEL 70200 in der Praxis am Flughafen
Wir halten nichts davon, ein Objektiv unter Laborbedingungen zu testen. Das sollen andere machen, mit Diagrammen, Tabellen und Testaufnahmen. Für eine Kaufentscheidung ist das bestimmt eine feine Sache. Für uns ist vielmehr wichtig, wie fühlt sich das Objektiv im echten Leben an, in der Praxis. Wie lässt es sich bedienen, wie sind die Ergebnisse. Also haben wir am Wochenende das schöne Wetter genutzt und haben das Objektiv in der freien Wildbahn der Fotografie getestet. Sonntag waren wir dazu mal wieder am Düsseldorfer Flughafen, nur für ein Stündchen aber wir waren mal wieder Spotten.
Wir haben uns dabei auf die normalen Flugzeugbilder beschränkt, welche man als Spotter halt macht. Flieger am Gate, auf dem Vorfeld, beim Starten. Dabei sind die Aufnahmen auf dem Vorfeld nun keine große Herausforderung, trotzdem ein interessanter Test für die Abbildungsqualität des Objektives. Und damit sind wir sehr zufrieden. Die Bilder sind bis in die Ecken ausreichend scharf, über den gesamten Brennweitenbereich. Es kann zu leichten Verzeichnungen kommen, welcher aber mit der Objektivkorrektur in Lightroom schnell verschwunden sind.
Der Stabilisator konnte auf jeden Fall überzeugen. Selbst bei 200mm und nur 1/160 Sekunde sind die Bilder wirklich gestochen scharf. Zum testen sind wir runter gegangen bis auf 1/60 Sekunde – mehr war aufgrund des Sonnenscheins nicht möglich ohne Überbelichtung. Aber auch diese Bilder waren scharf. Und für Freihandaufnahmen, bei der Brennweite ist das vollkommen in Ordnung.
Bei der Aufnahme von startenden Flugzeugen haben wir den Stabilisator auf den Modus 2 umgestellt. Dieser soll genutzt werden, wenn die Kamera beim fotografieren horizontal bewegt wird. Das Ergebnis kann sich mehr als sehen lassen. Die Schärfe der Bilder ist schon sensationell, besonders im Vergleich zum vorher eingesetzten SEL 55210, wo die Bilder ab einer Brennweite von 150mm und mehr doch ein wenig „verwaschen“ waren. Das zeigt auch dieser 1:1 Ausschnitt aus dem obigen Bild:
Die Schrift der Registrierung ist wunderbar scharf. Dabei ist das ein Ausschnitt aus der RAW-Datei, da ist nichts nachgeschärft – das kommt so aus der Kamera.
Das Sony SEL 70200 in der Praxis im Zoo
Hauteinsatzgebiet des Objektives wird bei uns wohl die Tierfotografie sein. Egal ob Wildlife auf unseren Reisen oder hier zu Hause in den vielen schönen Zoos. Um diesen Einsatzbereich zu testen waren wir im Zoo Krefeld. Dort konnten wir dann viele verschiedene Bedingungen ausprobieren. Die Bilder, die wir nun zeigen, sind entgegen unserer sonstigen Bilder nur wenig bearbeitet. Sie haben nur die Standard-RAW-Entwicklung bekommen, also Kontrast, Helligkeit, Schnitt, Farbsättigung angepasst. Mehr ist an den Bildern nicht bearbeitet.
Standard Zoo Foto
Ein typischen Standardbild aus dem Zoo, Affe auf Felsen oder Baumstamm, im Schatten sitzend, ca. 15-20 Meter entfernt. Das Bild ist schön scharf geworden, der Schärfeverlauf im Vordergrund am Baumstamm gefällt uns und die Bäume im Hintergrund sind ebenfalls schön unscharf.
Portrait und Bokeh
Sehr gut gefällt uns das Bokeh des Objektives, selbst bei der maximalen Offenblende 4. Der Pinguin saß etwa 10 Meter von uns entfernt auf seinem kleinen Felsen, Zaun um Hintergrund und die Bäume waren etwa 30 Meter entfernt. Diese sind aber schon verschwommen, so dass der Pinguin wunderbar freigestellt ist.
Autofokus bei schwierigem Licht
Im Tropenhaus herrschte das übliche miserable Licht. Und an dieser Stelle ist unser altes SEL55210 oft ausgestiegen. Der Autofokus hat sich da einen Wilden gesucht und überall hin fokussiert, nur nicht da wo wir es haben wollten. Das SEL 70200 hat aber einen super Job gemacht. Der Autofokus hat schnell und zuverlässig gearbeitet. Die Ausschussquote war extrem gering, sie lag vielleicht bei 10%.
Entwickelt sieht das ganze Bild so aus. Hier sieht man, warum uns Blende 4 als Offenblende in Verbindung mit der Sony Alpha 6000 ausreicht. Die Bildinformationen in der RAW-Datei, des leicht unterbelichteten Bildes oben, reichen völlig aus um in der Bearbeitung ein tolles Bild zu entwickeln.
Kleine Dinge mit dem Telezoom
Auch kleine Dinge lassen sich mit dem Telezoom wunderbar fotografieren. Natürlich ist das SEL 70200 kein Makro, trotzdem eröffnen sich durch die Brennweite, zusammen mit der Naheinstellgrenze von 1-1,3 Metern tolle Möglichkeiten, wie das Bild zeigt.
Und wenn ein Motiv mal weiter weg ist oder man nicht näher ran kommt, so wie bei dieser Libelle, dann gibt es immer noch die Möglichkeit des Bildausschnitts. Und durch die hohe Abbildungsqualität des Objektives bleibt einem dabei genügend Spielraum.
Tiere ganz nah
Und wenn größere Tiere sehr nah vor einem sind, ist das auch kein Problem. Dieser Jaguar Nachwuchs saß ca. 1 Meter von uns entfernt hinter einer Scheibe. Freundlicherweise hat er schön ruhig gehalten für ein paar Bilder.
Unser Fazit zum Sony SEL 70200 F4 G OSS
Nach unseren ersten Tests mit dem neuen Objektiv sind wir davon überzeugt alles richtig gemach zu haben. Die Abbildungsqualität ist wirklich beeindruckend, die Verarbeitung ist sehr gut, die Haptik und Bedienung ist klasse. Natürlich wäre das Nachfolgemodell mit Blende 2.8 ein Träumchen. Allerdings nicht so sehr, dass wir den doppelten Preise dafür ausgeben würden.
Klarstellung: Wir haben keine Kooperation mit Sony oder einem Händler. Das Objektiv haben wir selber gekauft, der Test spiegelt unserer Erfahrungen und Meinungen wieder. Heutzutage muss man das ja schon dabei schreiben. Trotzdem können wir das Objektiv nur weiter empfehlen. Und wenn ihr das nun kaufen wollt, weil unser Bericht Euch davon überzeugt hat, dann wäre es prima wenn ihr das über folgenden Link machen würdet. Für Euch kostet das Objektiv dann nicht mehr, wir bekommen aber ein paar Euro Provision.
Das sind unsere Erfahrungen mit dem Sony SEL 70200 Telezom. Für Anmerkungen, Fragen, Ergänzungen lasst doch einfach einen Kommentar hier. Das würde uns sehr freuen.














