Radtour an der Nordsee – von Emden nach Greetsiel und zurück

Veröffentlicht: 14. Juni 2021

2377 Worte- 9.5 Minuten Lesezeit- 0 Kommentare-
Radtour an der Nordsee

Beitragsdaten

Autor: Thomas Jansen

Veröffentlicht: 14. Juni 2021

Aktualisiert: 05. Juli 2021

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Am Wochenende stand eine Radtour an der Nordsee auf dem Programm. Zuerst war Rotterdam und Umgebung geplant, aber aufgrund der Corona-Lage war dann doch die deutsche Küste das Ziel. Von Emden ging es quer durchs platte Land bis nach Greetsiel und dann an der Küste zurück nach Emden.

Die Planung der Route

Melli wollte Sonntag mal eine Radpause machen und bei mir kam die Lust nach Meeresluft auf. Also ran an den Rechner und Routen geplant. Schnell hatte ich eine schöne Strecke rund um Rotterdam zusammengestellt aber irgendwie hatte ich Bauchschmerzen dabei. Die Inzidenzen in Holland sind noch recht hoch und voll würde es am sonnigen Sonntag auch werden. Die Ecke ist ja ein beliebtes Ausflugsziel für deutsche Wochenend-Touristen.

Also wieder ran an den Rechner und nach einer Alternative an der deutschen Küste gesucht. Für uns ist es egal, ob wir an die niederländische Küste oder rauf Richtung Emden fahren. Es sind immer gut 2,5-Stunden zu fahren. Allerdings ist die A31 Richtung Emden am frühen Sonntagmorgen einfach nur schön leer, im Gegensatz zu den Autobahnen Richtung niederländischer Küste.

Hm, voll würde es sicher auch werden. Daher war der Plan, recht früh in Emden zu starten und dann Richtung Greetsiel durch das platte Land zu fahren. Greetsiel sollte dann nur ein Zwischenstopp sein um dann weiter die Küste entlang, zurück nach Emden zu fahren. Dabei rechnete ich nur in Greetsiel mit vielen Menschen, und das war dann auch so.

Start am frühen Sonntagmorgen Richtung Emden

Meine Versuche Melli zum mitkommen zu überreden scheiterten schon bei der geplanten Abfahrtszeit. 6:30 Uhr am Sonntagmorgen, das erntete nur Kopfschütteln und ein „Mach Du mal“. Ok, also den Wecker auf 5:30 gestellt, ein Kaffee in Ruhe vorab muss sein und dann pünktlich losgefahren.

Die Fahrt verlief dann ganz entspannt. Kaum Verkehr auf der A31, also in Bottrop den Tempomaten angemacht und kurz vor der Ausfahrt in Emden wieder ausgeschaltet.

Wie geplant kam ich um 9 Uhr in Emden an und habe in einem kleinen Ortsteil Borrsum, östlich vom Hafen, geparkt. Kleiner Tipp zur Parkplatz-Suche in Komoot. Haltet nach Kirchen oder Friedhöfen Ausschau. Gerade die Letzten haben fast immer einen kostenlosen, öffentlichen Parkplatz.

Schnell das Rad vom Träger genommen, die Taschen ran gepackt, das Handy auf die Halterung und schon konnte es losgehen.

Von Emden nach Greetsiel

Zuerst führt mich der Weg durch das noch ruhige Emden. Kurz einen Fotostopp am Ratsdelft gemacht, wo einige Museumsschiffe liegen und das schöne Hafentor zu bewundern ist.

Vorbei an einem schönen, alten Wasserturm ging es dann in nördlicher Richtung raus aus der Stadt. Der Weg führte nun über einen sehr guten Radweg bis nach Hinte, wo mir die erste Windmühle vor die Linse kam.

Apropos Linse: Ich hatte zwar die kleine Sony dabei, habe aber am Ende doch alle Fotos mit dem iPhone gemacht. Irgendwie hatte ich keine Lust immer die Kamera aus der Packtasche zu holen, wo das Smartphone doch sowieso am Lenker hängt.

Und weiter ging es Richtung Norden. Viel Aufregendes gab es nicht zu sehen. Nur Felder, Kühe, Windräder und zur Belohnung ordentlich Gegenwind. Das war aber vorher klar, dass bis nach Greetsiel der Wind von vorne kommen würde. Und für ostfriesische Verhältnisse war das vermutlich nur ein laues Lüftchen. Später, ab Greetsiel, gab es dann eigentlich nur noch Rückenwind. Bei anderen Windprognosen hätte ich die Strecke gegebenenfalls gedreht. Irgendwie habe ich den Gegenwind lieber am Anfang einer Tour, wenn es machbar ist.

Rund um Greetsiel

Wenn man von Süden aus nach Greetsiel kommt, wird man am Ortseingang direkt von den Zwillingsmühlen begrüßt. Diese stehen hintereinander am alten Greetsieler Sieltief und sind ein Hotspot für Touristen. Und die waren jetzt schon in großer Anzahl im Ort. Nachdem ich auch der Strecke von Emden aus kommend nur sehr wenige Menschen gesehen hatte, stapelten sich diese hier.

Von den Mühlen ging es durch die Altstadt Richtung Greetsieler Hafen. Auf dem Stück darf man mit dem Rad fahren, es war aber grenzwertig, aufgrund der vielen Menschen dort. Am Hafen habe ich dann tatsächlich eine freie Bank gefunden und dort eine kleine Pause machen können, mit schöner Aussicht auf die Krabbenkutter.

Eigentlich wollte ich mir hier ein Matjes-Brötchen gönnen, aber bei den Menschenmassen hatte ich wenig Lust darauf. Also die von zu Hause mitgebrachte Fleischwurst mit leckerem, frischem Brot vertilgt und dann wieder auf den Weg gemacht. Ziel war nun das Naturschutzgebiet Leyhörn und die Greetsieler Schleuse, welche zur Nordsee hinausführt.

Angekommen am Deich stand ich dann auch vor dem ersten Schaf-Gatter und dann mitten in einer Schafherde. Diese Gatter trennen den kompletten Deich, auch später bis Emden hinab, in Abschnitte für die Deichschafe auf. An einigen sind Durchfahrten mit Rohren, an anderen kleine Türen, die man öffnen muss. Ich sag es mal so, wer keine Schaf-Kacke an den Reifen haben will, sollte diese Strecke weiträumig umfahren.

Die Strecke zur Schleuse führt einmal über den Deich und dann knapp 4 Kilometer lang direkt unten am Ufer entlang. Dabei ist die Strecke so um 5-10° geneigt, halt der Winkel vom Deich. So müsste es sich anfühlen, wenn man auf einem Nascar-Oval mit dem Fahrrad fahren würde. Immerhin wurden dabei die Reifen auch mal auf den Außenseiten abgefahren. Und die Strecke war wieder schön leer. Nur wenige haben sich den Weg zu Fuß oder dem Rad angetan.

Achja, wat war nicht da? Dat Meer. Dafür war Watt da. Passiert halt im Bereich des Wattenmeeres mal.

Nach einem kurzen Fotostopp ging es dann auf der anderen Seite des Deiches zurück bis zum Otto-Leuchtturm – ab hier übrigens mit Rückenwind. Eigentlich ist das ja der Pilsumer Leuchtturm, aber jeder kennt den schönen, rot-orangenen Leuchtturm aus dem Otto-Film. Und hier am Leuchtturm war es wieder rappelvoll mit Menschen. Kein Wunder, den Turm will jeder sehen, der in der Ecke ist.

An der Küste entlang nach Emden

Hinter Ottos Leuchtturm wurde es schlagartig leer auf den Wegen. Hier traf man nur noch vereinzelt mal ein paar Radfahrer oder halt Schafe. Dank der Flut kam auch das Wasser zurück und später gab es auch einige Schiffe zu sehen. Ich sag mal so, aufregen ist das nicht, dort zu radeln – aber unglaublich entspannend. Einfach rollen lassen, besonders mit Rückenwind, hier und da mal ein Päusschen machen und die Ruhe genießen, das hatte was.

Dabei führte der Weg teilweise hinterm Deich und vor dem Deich entlang. An einigen Stellen war die Meerseite wegen Bauarbeiten am Deich gesperrt. Das war aber kein Problem, da es auf der anderen Deichseite immer eine Alternative zum Radeln gab.

Irgendwann radelt man dann nicht mehr an der Nordsee entlang, sondern an der Ems. Ich weiß gar nicht so genau, wo die Grenze ist. Dabei kann man die ganze Zeit zur niederländischen Seite der Ems hinüber schauen. Dort dominiert aber die Industriekulisse von Eemshaven. Sehr einladend sieht das auf jeden Fall nicht aus.

Spätestens aber ab dem Campener Leuchtturm ist man auf jeden Fall an der Ems angekommen. Und überwacht wird der Schiffsverkehr dort vom Kontrollturm des Wasser- und Schifffahrtsamtes Emden. Ob die auch die Gatter für die Schafe überwachen, keine Ahnung.

Emden Hafengebiet

Irgendwann geht es leider nicht  mehr weiter am Wasser entlang. Das VW-Werk Emden ist im Weg und man muss einen Umweg um das Werk herumfahren. Das war der einzige Abschnitt, der nicht schön war. Er führt über nicht so schöne Straßen am Rande des Industriegebietes dahin und hat sich gezogen wie Kaugummi.

Im Hafen angekommen war es dann aber wieder interessanter. Der Bahnhof am Borkum-Anleger, die großen Fähren, Schleusen und Zugbrücken waren dann noch mal ein paar schöne Fotomotive. Dahinter ging es noch ein kleines Stück am Deich der Ems entlang, bevor ich wieder am Parkplatz angekommen bin.

Tolle Wochenend-Tour – gerne wieder

Nach 82,5 Kilometern war ich wieder am Auto. Und, stolz wie Oskar, denn ich habe es mit einem Akku geschafft, trotz ordentlich Gegenwind auf den ersten 30 Kilometern. Ok, der Rückenwind auf der restlichen Strecke war dabei sicherlich hilfreich.

Nach weiteren 2,5-Stunden Fahrt mit dem Auto war ich dann wieder zu Hause. Insgesamt hat die Tour also 11,5 Stunden gedauert. Das muss ich jetzt nicht jedes Wochenende machen. Aber eine schöne Alternative, um mal ein bisschen Meeresluft zu schnuppern, ist es auf jeden Fall. Vielleicht machen wir das auch mal mit Übernachtung und zwei kleineren Touren. Mal schauen, wie sich die Lage in den nächten Wochen entwickelt. Denn da oben gibt es noch viel mehr zu sehen und auch die niederländische Küste will noch erkundet werden.

Tourkarte und Daten

Emden Karte

Tourdaten

Dauer: ca. 5 Stunden

Länge: 82,5 Kilometer

Höhenunterschied: 180 Meter (Deich rauf, Deich runter, Deich rauf, Deich runter, das summiert sich)

Untergrund: Asphalt und (gutes) Pflaster

Link zur Tour bei Komoot zum nachfahren: Nordsee – Emden – Greetsiel

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