
7 Anti-Profi-Tipps zur Landschaftsfotografie für normale Urlauber
Wenn man das Netz nach Tipps für schöne Reisefotos oder Landschaftsfotos durchsucht, dann findet man viele Tipps von Profis, die sicherlich ihre Berechtigung haben. Nur wird dabei oft der normale Urlauber aus dem Fokus verloren. Der hat nämlich nicht die Top-Ausrüstung mit elfundzwanzig Objektiven dabei, kein Stativ im Gepäck und auch keine Filter dabei, die er vor die Kamera schrauben kann. Daher mal ein paar Anti-Guru-Tipps für schöne Aufnahmen von der Reise, für ganz normale Urlauber.
Natürlich betrachtet man als ambitionierter Hobbyfotograf oder als Profi manche Dinge ganz anders. Das ist auch in Ordnung, bringt aber Euch als reine Urlaubsfotografen keinen Schritt nach vorne. Wir selbst machen auch einige Dinge anders als hier unten beschrieben. Ob wir damit am Ende aber die besseren Fotos machen, das lassen wir mal dahin gestellt. Wir sehen immer wieder Fotos von Urlaubern, die mit ganz einfachen Mitteln ihre Fotos machen, wo wir denken, Donnerwetter, was ein tolles Foto. Und dann fragen wir uns schon oft, warum wir das ganze Zeug eigentlich mitschleppen.
Tipp 1 – Nimm das Licht, was gerade da ist
Die meisten Seiten empfehlen das schönste Licht für ein Motiv zu nutzen. Also in der Zeit ganz früh am Morgen oder am Abend, rund um den Sonnenaufgang und den Sonnenuntergang. Und ja, das ist wirklich das schönste Licht zum Fotografieren. Nur was nutzt es Euch, wenn Ihr zu den Zeiten noch schlaft oder schon wieder im Hotel zurück seid, von Eurem Tagesausflug? Ebend, gar nichts, außer vielleicht für ein paar schöne Fotos am Stand, die Ihr auch unbedingt machen solltet.
Einige gehen sogar soweit und sagen, „Zwischen zehn und drei hat der Fotograf frei“. Wisst Ihr was? Bullshit!
Nehmt das Licht so, wie es gerade da ist. Achtet nur darauf, nicht ins Gegenlicht zu fotografieren, dann könnt ihr zu jeder Tageszeit tolle Fotos machen. Das gilt besonders bei bewölktem Wetter, da kommt dann wenigstens genug Licht durch die Wolkendecke.
Dieses Foto ist um die Mittagszeit entstanden. Warum hätten wir also freihaben sollen und dieses Foto nicht fotografieren? Wir könnten Euch noch hunderte Fotos zeigen, welche in der freien Zeit entstanden sind und auf die wir nicht verzichten möchten.
Tipp 2 – Nimm Dir Zeit für ein Foto, wenn Du diese hast
Klar, man soll sich Zeit nehmen um schöne Fotos von einem Ort zu machen. Das funktioniert auch ganz prima, wenn man individuell und allein unterwegs ist. Ist man aber in einer Reisegruppe unterwegs, dann sieht das oft anders aus. Und das kann schon der organisierte Tagesausflug zu einer Sehenswürdigkeit sein. Da ist nicht mehr viel mit Zeit nehmen.
Wenn es möglich ist, trennt Euch dann von der Gruppe. Wenn das nicht geht, dann schaut, dass ihr ein wenig am Rand der Gruppe bleibt, um vielleicht die ein oder andere Perspektive zu erwischen, welche die Masse der Gruppe nicht fotografiert. Oft sorgt schon ein etwas anderer Winkel, vom Boden aus oder von einem erhöhten Punkt, für ein Wow-Foto, welches sich von der Masse abhebt.
Und nutze die Gelegenheit für Schnappschüsse. Auch hier wieder der Verweis auf das obige Foto vom Monument Valley. Das ist ohne große Planung und ohne viel Equipment entstanden. Einfach spontan aus dem fahrenden Wohnmobil.
Tipp 3 – Lass Dein Stativ zu Hause
Immer und immer wieder wird darauf hingewiesen, dass man niemals ohne Stativ auf Reisen gehen soll. Jo, wir schleppen das Teil immer mit und nutzen es fast nie. Wenn man viele Sonnenauf- oder untergänge fotografieren will, Langzeitbelichtungen mit Filtern machen oder in der Nacht fotografieren möchte, dann benötigt man ein Stativ. Allerdings findet man auch oft Gegenstände wie Mauern, Steine, Geländer oder Ähnliches, welche man als Stativ missbrauchen kann.
Für den Normalurlauber braucht es aber meist kein Stativ. Die modernen Kameras erlauben dank ihrer Technik auch Aufnahmen aus der Hand. Und das auch bei Belichtungszeiten, die bis 1/60 Sekunde oder länger gehen. Mit einer ruhigen Hand, die Arme am Körper angelegt, und zweimal durchatmen, kann man so auch aus der Hand fotografieren.
Achtet im Gegenzug lieber auf einen schönen Bildaufbau oder dass Euer Motiv richtig in Szene gesetzt wird.
Tipp 4 – Nehmt so wenig Ausrüstung wie möglich mit
Die meisten Urlauber haben genau eine Kamera. Punkt. Aus. Und mehr braucht Ihr auch nicht. Und wenn es nur das Smartphone ist, dann reicht das auch.
Lasst Euch nicht verrückt machen von Tipps zur idealen Reisekamera, mit den passenden Objektiven für Landschaften, Architekturfotos, Tierfotos, Steinfotos, Essensfotos oder Klofotos. Vergesst es einfach!
Nutzt einfach die Kamera, die ihr habt und macht damit schöne Fotos. Die Kamera und die Objektive sind nur ein Werkzeug. Eine teurere Kamera, bei hochwertigeres Objektiv machen nicht automatisch schönere Fotos. Sie bieten nur mehr Möglichkeiten, in technischer Hinsicht.
Ja, auch wir haben mehrere Kameras und Objektive im Einsatz. Aber vor einer Reise überlegen wir wirklich gut, was denn in den Rucksack kommt. Und dabei entscheiden wir uns meist für eine Minimalausstattung. So haben wir oft nur eine Kamera mit einem Universalobjektiv für die Reise dabei. Und dann machen wir auch noch viele Fotos mit dem Smartphone.
Tipp 5 – Vergesst die hyperfokale Distanz
Wenn ihr nach Tipps für gute Landschaftsfotos sucht, dann werdet ihr zwangsläufig über den Begriff hyperfokale Distanz stolpern. „Hüperfokalwas?“ werdet Ihr nun fragen. Ok, hier eine Erklärung von Wikipedia:
Als hyperfokale Entfernung beziehungsweise hyperfokale Distanz wird in der Fotografie diejenige endliche Gegenstandsweite bezeichnet, bei der, wenn man genau auf diese Entfernung fokussiert, im Unendlichen liegende Objekte ebenfalls gerade noch mit akzeptabler Unschärfe abgebildet werden.
Jetzt ist alles klar, oder? Nicht? Auch gut, macht nichts. Es geht darum, auf welchen Punkt in der Landschaft man fokussieren sollte, damit das Foto von vorne bis hinten gestochen scharf ist. Das aber abhängig im eingesetzten Objektiv, der Brennweite und der Blende. Ja, dafür gibt es Rechner im Netz, um das dann vor Ort entsprechend auszurechnen.
Ihr.braucht.das.nicht!
Macht einfach schöne Landschaftsfotos. Achtet dabei eher darauf, dass ein gutes Landschaftsfoto idealerweise aus einem Vordergrund, einem Mittelgrund und einem Hintergrund besteht. Auf dem Foto oben sind das die Schemen der Bäume im Vordergrund, die Berge im Mittelgrund und die Wolken im Hintergrund. Das ist viel wichtiger für ein gutes Foto als darauf zu achten, ob die Tannennadeln im Vordergrund eventuell ein wenig unscharf sind.
Tipp 6 – Speichert die Fotos im jpg-Format
Auf jeder Fotografen-Seite im Netz lest Ihr, dass nur das RAW-Format das einzig wahre Format ist, um Fotos abzuspeichern. Auch bei uns werdet ihr das lesen, sogar in einem eigenen Artikel. Das stimmt auch, wenn man in Kauf nimmt, riesige Datenmengen zu produzieren und alle Fotos nach der Reise erst zu bearbeiten. Wenn Ihr da Lust drauf habt, dann nutzt das RAW-Format, es bietet einige Vorteile.
Aber für den normalen Urlauber ist das keine Option. Die Fotos sollen sofort fertig sein, sollen nicht nachbearbeitet werden und am besten direkt über Social Media geteilt werden. Und wieder zu Hause sollen auch keine Datenmengen im Bereich von 100 Gigabyte auf den Rechner kopiert werden.
Viele einfache Kameras unterstützen auch keine RAW-Dateien, die können nur das jpg-Format speichern. Das ist kein Grund, sich eine neue (meist deutlich teurere) Kamera zu kaufen. Wenn Ihr bei der Bearbeitung der Fotos keine Möglichkeiten vermisst, dann benötigt ihr kein RAW. Wenn Ihr Fotos gar nicht bearbeitet, dann erst recht nicht.
Tipp 7 – Nutzt die Automatiken Eurer Kamera
Ja, die meisten Kameras bieten einen manuellen Modus an, um Belichtungszeiten, Blende, ISO von Hand einzustellen. Dazu gibt es noch Halbautomatiken, welche dann die Belichtungszeit oder die Blende manuell verwalten lassen. Schöne Sache. Nur, wenn man nicht weiß, wie Blende, Belichtungszeit und ISO miteinander in Verbindung stehen, dann sind diese manuellen Programme sinnlos für Euch.
Nutzt daher die Vollautomatiken Eurer Kamera. Diese bieten oft auch Automatikprogramme für verschiedene Motive oder Situationen. Das sind meist so Dinge wie Landschaften, Blumen, Nachtaufnahmen, Feuerwerk usw. Dabei werden dann die passenden Einstellungen von Blende, Belichtungszeit und ISO von der Kamera gewählt. Die Ergebnisse sind meistens wirklich gut.
Jetzt kommt sogar eine Beichte von uns: Wenn wir mit dem Rad unterwegs sind, haben wir eine kleine Sony-Kompaktkamera dabei. Und wisst Ihr was? Wir nutzen dann fast immer die Vollautomatik-Einstellung beim Fotografieren. Wir haben beim Radeln überhaupt keine Lust uns noch mit Belichtungszeiten und Blende rumzuschlagen. Wir wollen einfach ein schönes Foto, oft einen schnellen Schnappschuss machen. Und die Ergebnisse dieser Vollautomatik sind sehr oft sehr gut.
Fazit – Mehr schöne Fotos als Gedanken machen
Denkt nicht zu viel über Ausrüstung und Technik nach, macht lieber schöne Fotos. Natürlich, wenn man die Fotografie als Hobby betreibt, dann geht man anders an das Thema ran. Wer sich damit dann intensiver beschäftigen möchte, kann gerne mal in unsere Fotoschule schauen.
Aber für Euch, als normale Urlauber, die einfach ein paar schöne Fotos machen wollen, reicht das Equipment aus, was ihr habt. Achtet lieber auf einfache Dinge wie Licht im Rücken, ein wenig Bildaufbau, gerade Fotos und tolle Motive. Dann bekommt Ihr genug Fotos mit Wow-Effekt. Vergesst auch nicht, die Kamera mal aus der Hand zu legen. Denn viele Eindrücke speichert man lieber im Kopf ab und erinnert sich später an die tollen Momente, die man einfach nur genossen hat und nicht durch den Sucher gesehen hat.


