
Brettspiel-Themen: Wo sind die Grenzen des guten Geschmacks?
Brettspiele können viele Themen haben. Vom niedlichen Vogel, der in seinen passenden Lebensraum angesiedelt wird, über die Bekämpfung der Pest bis hin zur Besiedelung von fernen Planeten. Es gibt aber auch Spiele mit eher unschönen Themen. Krieg, Tot, Wahnsinn, teilweise erfunden, teilweise auf aktuelle oder Ereignisse aus der Geschichte bezogen. Brauchen wir solche Spiele in der Sammlung?
Anregung zu diesem Artikel ist die monatliche #BG2GETHER-Akion, in der es diesen Monat diese Frage gab:
Frage: Es gibt Brettspiele mit unangenehmen Themen und solche, die noch einen großen Schritt weitergehen. Als Beispiel hätten wir ein demnächst startendes Kickstarter Projekt zu Haus der 1000 Leichen, in denen wir Irre spielen, die Menschen quälen und ausweiden. Oder auch ein Brettspiel über den aktuellen Krieg in der Ukraine. Benötigt das Brettspiel eine Beschränkung in der Thematik um für dich als Spiel zu gelten? Wann ist die Grenze überschritten? Oder darf Brettspiel alles?
Darf ein Brettspiel alles?
Die letzte Frage würden wir spontan so beantworten: Ja, solange gegen keine Gesetze verstoßen wird, soll ein Brettspiel alles dürfen. Auf die nicht gestellte Frage, ob wir so ein Spiel in unserer Sammlung bräuchten, lautet die Antwort: Eher nicht unbedingt.
Natürlich haben wir nicht nur Spiele im Regal stehen, in denen diverse Einhörner über rosa Landschaften in einer Welt voller Liebe bewegt werden. Nein, wir bewegen uns auch mal im finsteren Mittelalter und bekämpfen dort die Pest und dabei sterben auch die „Bewohner“ des Spiels gelegentlich. Allerdings haben wir, in Vorbereitung auf unseren Artikel, mal unsere Spielesammlung durchgeschaut. Es gibt dort tatsächlich wenige Spiele, wo es wirklich brutale Themen gibt und noch weniger, wo die Spielenden sich gegenseitig bekämpfen. Da sind ein Age of Inovation und Scythe schon die Spiele, mit dem größten Konfliktpotenzial.
Dabei sind wir auch für andere Themen offen, die dürfen auch gerne mal ein wenig morbide sein. Das Spiel Abomination haben wir abgegeben. Aber nicht, weil uns das Zusammenbauen eines Monsters aus (teilweise sehr frischen) Leichenteilen abgeschreckt hätte. Das war sogar gut umgesetzt, mit einer Portion tiefschwarzem Humor. Nein, uns hat einfach das Spiel mit seiner Mechanik und dem Ablauf nicht so gut gefallen. Ähnliches gilt für Pagan, wobei wir dort schon fanden, dass man Bürger bei Verdacht auch hätte vertreiben können, statt sie direkt umzubringen. Davon gibt es noch weitere Spiele, wo es schon ein wenig brutaler zugeht, die uns aber eher nicht wegen des Themas verlassen haben.
Ist es Eskapismus bei uns?
Ja, wir spielen schon Spiele, um von dem ganzen Wahnsinn zu entkommen, der uns täglich über die Nachrichten erreicht. Danach am Abend ein Kriegsspiel auf den Tisch zu bringen, das käme uns nicht in den Sinn. Und erst recht keines, wo wir dann den Krieg in der Ukraine nachspielen würden.
Aber Eskapismus alleine kann es bei uns nicht sein. Zu Beginn der Pandemie haben wir wieder angefangen, mehr zu spielen. Und mit welchem Spiel? Richtig, es war ausgerechnet Pandemic. Und das hat uns damals dabei geholfen, mit der skurrilen Situation vor der eigenen Haustür umzugehen, wo das öffentliche Leben fast zum Erliegen gekommen ist. Wir können gar nicht sagen, warum das so war. Das müssten wir mal mit einem Therapeuten besprechen.
Das zeigt aber, dass es nicht nur Eskapismus sein kann, der uns Abstand von konfliktreichen oder brutalen Spielthemen nehmen lässt.
Darf ein Brettspiel alles?
Um mal den Bogen zu den gestellten Fragen zu bekommen. Nein, wir meinen nicht, dass es Beschränkungen oder gar Verbote für Themen in Brettspielen geben sollte. Für uns persönlich gibt es Grenzen, wo wir persönlich aussteigen. Das in der Frage genannte Spiel, in denen wir Irre spielen, die Menschen quälen und ausweiden, kommt sicherlich niemals bei uns auf den Tisch. Für uns ist dabei die Grenze des guten Geschmacks eindeutig überschritten. Solche Themen sprechen uns einfach nicht an. Allerdings ist das unsere ganz subjektive Meinung. Auch solche Spiele werden ihre Zielgruppe haben. Und nein, das sind dann alles keine potenziellen Psychopathen, die kurz vor einem Amoklauf stehen. Diese Diskussion finden wir auch im Zusammenhang mit Videospielen total daneben.
Daher, wenn keine Gesetzte verletzt werden, sollen Brettspiele alle Themen nutzen und ansprechen dürfen. Jeder kann für sich selbst entscheiden, ob er dann zum angesprochenen Kundenkreis zählt oder lieber Abstand von dem Spiel hält. Bestenfalls gibt es über diese Spiele und ihre Themen eine Diskussion, welche durchaus spannend und lehrreich sein kann. Ebenso kann ein „bedenkliches“ Thema anregen, sich mit dem (historischen) Hintergrund weiter zu befassen. Daher denken wir, dass es durchaus Spiele gibt, wo man sehr kontrovers über das Thema streiten kann und sie alleine dadurch eine Berechtigung haben. Denn immer nur Einhörner auf Regenbögen oder Naturthemen, sind auf Dauer auch langweilig.
Was ist #BG2GETHER?
Was ist dieses #BG2GETHER eigentlich? Die Aktion wurde von Christian und seinem Blog Spielstil ins Leben gerufen. Jeden Monat wird ein Thema vorgegeben und dann können Blogger, Podcaster, YouTuber und andere Content-Ersteller sich darüber auslassen. Da wir spannender schreiben als reden oder videografieren können, machen wir das natürlich auf unserem Blog. Wir freuen darüber, nun auch Teil dieser Aktion zu sein und freuen uns auf viele spannende Anregungen für neue Artikel.
Weitere Beiträge
Hier findet Ihr alle weiteren Beiträge zu dem aktuellen Thema in diesem Monat:
