Tiere schenken zu Weihnachten? Bitte nicht!
Jedes Jahr, wenn der Dezember näher rückt, wird es gemütlich: Lichterglanz überall, der Duft von Plätzchen, nervige Weihnachtsmärkte und das zwanghafte Gefühl, anderen etwas Gutes tun zu wollen. Genau in dieser Stimmung entsteht oft die dumme Idee, ein Haustier zu verschenken. Schließlich bringt nichts so viel Freude wie ein Lebewesen, das Liebe zurückgibt. Doch gerade dieser Gedanke kann trügerisch sein. Ein Hundewelpe unter dem Baum, ein schnurrender Kater oder ein niedliches Kaninchen, das klingt nach Herzensmoment pur. Doch in Wahrheit verbirgt sich dahinter oft eine Entscheidung mit langfristigen Folgen.
Ein Tier ist kein Geschenk.
Es ist ein Lebewesen mit Bedürfnissen, Eigenheiten und Verpflichtungen. Wer ein Tier zu sich nimmt, trifft eine Entscheidung für viele Jahre, nicht für einen Feiertag. Und es entstehen Kosten, die oft genug nicht bedacht werden. Futter, Leinen, Katzenklos, Katzenstreu, Impfungen, Kastration, Krankheiten und Tierarztbesuche. Da leppert sich einiges im Laufe des Tierlebens zusammen. Das muss man haben und bereit sein, auch auszugeben.
Dazu kommen weitere Fragen, für künftige Haustierbesitzer, die alle im Haushalt gemeinsam beantworten müssen: Wer kümmert sich zum Beispiel um die Tiere, wenn man mal krank wird oder in Urlaub fahren möchte? Besteht bei einem in der Familie eine Allergie gegen Tierhaare? Ist genügend Platz für das Tier vorhanden und ist eine Tierhaltung in der Wohnung überhaupt erlaubt? Und die wichtigste Frage: Passt das Tier auch in den kommenden 10–20 Jahren noch in die Lebensplanung?
Leider zeigen die Zahlen aus Tierheimen jedes Jahr dasselbe traurige Bild: Nach Weihnachten steigen die Abgabezahlen deutlich an. Tiere, die unüberlegt verschenkt wurden, landen dort, weil sie doch „mehr Arbeit machen als gedacht“ oder „nicht ins Leben passen“.
Ich erinnere mich noch gut an ein Weihnachten vor einigen Jahren. Bekannte erzählten stolz, dass sie ihrer Tochter ein Kaninchen „überraschen“ wollten. Zwei Wochen später stand fest: Das Tier mochte die ständige Unruhe im Kinderzimmer nicht, und die Begeisterung war schnell verflogen. Am Ende landete das Kaninchen bei Verwandten, die es glücklicherweise aufnehmen konnten. Eine gut gemeinte Idee, aber überhaupt nicht zu Ende gedacht. Dieses Erlebnis hat sich mir eingebrannt, weil es zeigt, wie schnell gute Absichten schiefgehen können.
Natürlich kann die Entscheidung für ein Tier eine wunderbare sein. Wir selbst möchten unsere Katzen keine Sekunde lang missen. Aber sie sollte überlegt, informiert und vor allem gemeinsam getroffen werden. Wer wirklich plant, einem Tier ein Zuhause zu geben, sollte das bewusst und nicht aus einer Laune heraus tun, und schon gar nicht als Überraschung.
Vielleicht ist dieses Weihnachten stattdessen eine gute Gelegenheit, Verantwortung bewusst zu schenken. Eine Spende für den Tierschutz oder einfach gemeinsame Zeit, auch das kann wertvoll sein. Vielleicht geht auch ein gemeinsamer Besuch im nächsten Tierheim. Dort kann man Probekuscheln und sich von den Fachleuten zur Haltung der Tiere beraten lassen.
Denn Tiere sind keine Geschenke. Sie sind Freunde fürs Leben und verdienen Entscheidungen, die mit Herz und Verstand getroffen werden.
