Themenfesseln beim Bloggen?
Was soll oder kann man auf dem eigenen Blog schreiben? Muss man sich vorab Gedanken machen, ob das Thema passt, ob es die Leser interessiert? Marco stellt diese Fragen in seinem Blog mit der Überschrift „Geht es nur mir so?“. Und da kann ich mit gutem Gewissen sagen, das ging mir lange Zeit genau so. Allerdings habe ich mich von den Fesseln mit Themen befreit.
Marco schreibt:
Wenn ich mir etwas für den Blog überlege, dann möchte ich nicht immer erst die Frage im Kopf haben, ob das Thema überhaupt auf den Blog passt. Das ist vielleicht für den ein oder anderen cool, aber für mich nicht. Es schränkt mich gewissermaßen in meiner Kreativität ein.
Darüber habe ich mir früher viel zu oft Gedanken gemacht.
Lange Zeit war das hier ein Blog übers Reisen und die Fotografie. Ich hatte aber schon immer das Problem, dass mein Leben (leider) nicht nur aus diesen zwei Tätigkeiten besteht. Es ist viel abwechslungsreicher, bietet viel mehr Dinge, über die ich berichten möchte. Und so habe ich mir jahrelang immer überlegt, was ich auf dem Blog veröffentliche. Oft genug hatte ich Bedenken, über andere Dinge zu schreiben.
Einerseits wollte ich Stammleser nicht mit Themen langweilen, die sie nicht interessieren. Andererseits bringen mehr Themen auch mehr verschiedene Menschen auf den Blog. Man vergrößert damit am Ende doch die Zielgruppe. Dabei gibt es sicherlich einige Leser, die sich komplett abwenden, wenn man plötzlich über Themen schreibt, die sie nicht interessieren. Auch für Google soll es ja böse sein, wenn man sich nicht auf ein Thema spezialisiert. Nun ja, das mag so sein, aber ich kann ja nicht auf jede Befindlichkeit Rücksicht nehmen. Und so eine Maschine kommt dann erst mal hinten an.
Wobei man schon differenzieren muss. Betreibe ich einen persönlichen Blog, dann sind den Themen wohl keine Grenzen gesetzt. Schreibe ich aber auf einem Blog, welcher ein Produkt, eine Dienstleistung oder andere Services anbietet, ist man sicherlich eingeschränkter. Mich würde es befremden, auf einem Firmenblog Urlaubsberichte zu lesen. Und dann kommt auch das Google-Thema ins Spiel, wenn jeder einzelne Seitenbesucher ein potenzieller Kunde sein kann. Dann hat das Ranking natürlich einen ganz anderen Stellenwert.
Was erwarten die Leser eigentlich?
Ich habe dann mal angefangen, das Spektrum meiner Besucher zu analysieren. Die allermeisten kommen über Google zu mir auf den Blog. Diese suchen nach einem Begriff oder Thema, finden meinen Eintrag bei Google, kommen auf den Blog, lesen den Artikel und sind danach wieder verschwunden. Denen ist es vollkommen egal, ob ich auch noch über andere Themen schreibe. Die bekommen das meistens gar nicht mit.
Und die Stammleser? Da habe ich mal meine eigene Art angeschaut, wie ich andere Blogs verfolge. Dies geschieht bei mir klassisch in einem RSS-Reader. Da scrolle ich dann durch die aufgelisteten Beiträge und klicke die Artikel an, deren Themen mich interessieren. Und wenn da der Schallplattenblog plötzlich über CSS-Formatierungen schreibt und mich das interessiert, ist es mir persönlich egal, ob es ein Schallplattenblog ist. Genauso handhabe ich das, wenn ich durch Bloggerforen oder Social Medias scrolle und interessante Artikel sehe.
Und gerade bei Blogs, welche eine große Themenvielfalt haben, erwische ich mich oft dabei, wie ich da versacke und ganz viele Beiträge lese.
Es gibt natürlich auch Menschen, die das wirklich stört. So hatte ich vor Jahren hier mal einen Kommentar, warum ich als Fotografieblogger plötzlich was über E-Zigaretten schreibe. Meine Antwort war, „weil ich es kann, mein Blog, meine Regeln“. Mir ist bewusst, dass dieser Themen-Mischmasch nicht allen gefällt, aber wie oben schon geschrieben, man kann es nicht jedem recht machen. Mir ist wichtig, dass ich mich mit meinem Blog und mit meiner Arbeit, die ich hier investiere, fein bin.
Das ist übrigens auch der Grund, warum ich irgendwann den sehr bekannten Namen Reisen-Fotografieblog abgelegt und auf Jansens-Pott geändert habe. Ich wollte die thematischen Fesseln loswerden, die ich selbst mit dem Namen des Blogs angelegt hatte.
Aktuell kann ich sagen, dass mir das Bloggen, ohne thematische Fesseln, wieder sehr viel Spaß macht. Hier schreibe ich aktuell wie wild, auf dem Brettspiel-Blog ist dagegen Ruhe. Dazu fehlt mir momentan die Motivation. Ich überlege sogar, den Blog aufzulösen und die Beiträge hier rüber zu ziehen.
Und offensichtlich macht auch den Leserinnen Spaß, was hier passiert. So gab es in den letzten zwei Wochen, wo hier wieder Leben auf dem Blog ist, ca. 50 Kommentare. So viel hatte ich in den letzten zwei Jahren in Summe nicht.


