Blogger und Artikel 13 (17) – Sind wir eigentlich davon betroffen?

Veröffentlicht: 07. März 2019

866 Worte- 3.5 Minuten Lesezeit- 5 Kommentare-
Blogger und Artikel 17

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Autor: Thomas Jansen

Veröffentlicht: 07. März 2019

Aktualisiert: 01. November 2021

866 Worte- 3.5 Minuten Lesezeit- 5 Kommentare-

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Gestern habe ich in einer Diskussion gelesen, wir Blogger wären von Artikel 13 nicht betroffen. Nun, das ist nur bedingt richtig – denn am Ende sind alle Internetnutzer betroffen, wenn diese Uploadfilter kommen.

Blogger und Artikel 13 – Die meisten Blogs arbeiten doch nicht mit Benutzer-Inhalten

Dieser Einwand ist soweit erstmal richtig. So lange man nur eigene Texte nutzt, nur eigene Bilder und Grafiken stimmt das. Wenn diese dann auch nur auf dem eigenen Blog hochgeladen werden, dann ist man als Blogger von Artikel 13 nicht betroffen.

*kurze andächtige Stille*

Kritisch wird es dann aber schon, wenn ihr Texte oder Bilder von Gastbeiträgen einbindet. Habt ihr mit allen potenziellen Urhebern, die ggf. Rechte an den Bildern haben könnten, eine Vereinbarung getroffen? Vermutlich eher nicht, oder?

Bei wem bleibt es denn dabei, auf dem eigenen Blog zu veröffentlichen? Meistens teilen wir doch unsere Fotos, unsere Beiträge dann ins Netz. Sei es, dass wir unsere Beiträge in den Social Medias teilen, Suchmaschinen (hoffentlich) unsere Inhalte indexieren oder unser RSS-Feed diverse Newsreader mit Inhalt füllt.

Und genau an dieser Stelle erzeugen wir, als Blogger, Inhalte für andere Plattformen.

Wenn ich nun ein Foto von einer berühmten Sehenswürdigkeit auf eine Plattform hochlade, aus einer beliebten Perspektive fotografiert, dann wird es schon schwierig. Der erste Fotograf, der dieses Motiv hochgeladen hat, hat gewonnen. Er trägt sein Foto dann in die Urheber-Datenbank ein. Alle weiteren Fotos, vom gleichen Motiv mit der gleichen Perspektive, werden dann erstmal als potenzielle Urheberrechtsverstöße geblockt werden.

Und nein, die Uploadfilter werden nicht so gut sein, um zu erkennen, dass es sich um zwei völlig verschiedene Fotos handelt. Wir ich darauf komme? Nun, kennt Ihr Copytrack? Das ist ein Dienst im Internet, mit deren Hilfe man Kopien seiner Fotos im Netz finden kann. Man lädt ein Foto da hoch und die Software scannt dann das Netz durch.

Ich hatte dort, nur in den letzten 7 Tagen, 327 Treffer – also Hinweise auf Kopien meiner Fotos. Und die Trefferquote? 1 Bild war wirklich eine Kopie, der Rest waren Falschmeldungen des Filtersystems. Das entspricht der miserablen Note von 99,7% an False-Flag-Meldungen.

false-flags-ergebnisse

Hier seht ihr einen Screenshot, wo 4 Ergebnisse zu sehen sind. Ihr seht selbst in der schlechten, kleinen Qualität, die Bilder sind auf den ersten Blick als unterschiedliche Fotos zu erkennen. Da kommen solche Filter einfach an ihre Grenzen.

Selbst wenn wir mal davon ausgehen, dass moderne, gut programmierte Filter eine wesentlich bessere Erkennungsrate haben würden. Wer soll diese aber bitte bezahlen? Google und Facebook, ja, die können so was finanzieren. Aber was ist mit den vielen kleinen Plattformen, Foren, Fotocommunitys? Die werden dann entweder eingestellt oder greifen auf preiswerte, einfache Filtersysteme zurück, die zentral angeboten werden. Nur sind wir dann vermutlich wieder bei dem Ergebnissen, die ich Euch oben gezeigt habe.

Daher sind auch wir Blogger betroffen. Vielleicht nicht unbedingt auf unserem Blog selber. Aber bei unserer täglichen Arbeit, dem Netzwerken in den Social Medias, dem Teilen und Präsentieren unserer Fotos – da wird uns das auf die Füße fallen. Und natürlich auch als Konsument. Ich selber schaue inzwischen sehr gerne YouTube Videos, wo es wirkliche Perlen gibt, von denen man nicht nur unterhalten wird, sondern auch eine Menge lernen kann. Diese Videos könnten zum Teil nicht mehr produziert werden und würden eine schmerzliche Lücke hinterlassen.

Urheberrecht ist wichtig – aber nicht Artikel 13

Ich denke, dass die meisten Blogger das Urheberrecht für eine wichtige Sache halten. Wir selber sind schließlich oft genug von Text- oder Bilderklau betroffen. Daher wäre ein modernes Urheberrecht, was an die digitalen Medien angepasst ist, sehr zu begrüßen. Aber mit einem Artikel 13, welches die großen Unternehmen noch größer und mächtiger macht und die kleinen und mittleren Plattformen in ernste Schwierigkeiten bringt, wird das Internet, seine Vielfalt und auch die Meinungsfreiheit massiv angegriffen.

Urheberrecht ist wichtig – aber nicht Artikel 12

Und noch ein Artikel betrifft uns Blogger, der Artikel 12 des neuen Urheberrechtes. Viele Blogger sind bei der VG Wort und bekommen darüber ein paar Euro für ihre veröffentlichten Texte.

Vielen ist es sicherlich aufgefallen, dass die ausgezahlte Summe pro Beitrag in den letzten Jahren ordentlich gestiegen ist. Das lag auch daran, dass der BGH die Beteiligung und Ausschüttungen der VG Wort an Verlage gestoppt hatte. Rechtsanwalt Solmecke schreibt 2016 dazu:

Im April hatte der Bundesgerichtshof entschieden, dass die VG Wort nicht berechtigt ist, einen pauschalen Betrag in Höhe von grundsätzlich der Hälfte ihrer Einnahmen an Verlage auszuschütten (Az.: I ZR 198/13).

Und diese Regelung wird vom Artikel 12 in der neuen Urheberrechtsreform ausgehebelt. Dann können die Verlage wieder ordentlich kassieren und für die eigentlichen Autoren bleibt weniger Geld im Topf für die Ausschüttung. Soviel zum Thema, dass die eigentlichen Urheber, sprich die Autoren, Nutznießer dieser neuen Richtlinie wären.

Geht auf die Straße und wehrt Euch!

Daher, liebe Bloggerinnen und Blogger, geht auf die Straße – demonstriert gegen den Artikel 13 und auch gegen Artikel 12. Seid laut, seid kreativ, seid friedlich und zeigt, dass wir Viele sind!

Die nächsten Demo-Termine findet ihr auf der Seite von savetheinternet.info

Vielen Dank für Deinen Besuch

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5 Kommentare

  1. Eric 7. März 2019 um 20:11

    natürlcih sind blogger betroffen, wie alle user die instagram, facebook, twitter usw verwenden, selbst jede webseite muss einen uploadfilter einführen (wenn er älter als 3 jahre ist). damit wird alles überwacht. du hast oben mit dem bildscanner schön gezeigt, wie super das läuft und jeder youtuber kennt die eignen spielchen wo videos gelöscht worden sind – weil sie angeblich gegen etwas verstossen.

    sollte artikel 13 kommen, dann wird man wohl aufs darkweb ausweichen müssen und dort bloggen müssen.

    mich störts ja nicht wenn artikel 13 kommt – ich wäre sogar ein befürworter… jetzt fragt ihr euch sicher – ob ich den verstand verloren hätte :) Aber in der Schweiz wurde vor 3 Wochen eine art Uploadfilter und Leistungsschutzrecht eingeführt und niemand hat sich daran gestört. Jetzt wird man dann wohl das Referendum ergreifen müssen, das heisst 50’000 Unterschriften müssen gesammelt werden, damit wir dafüber abstimmen können. aber da die schweizer selbst eine internetzensur vor gut 1/2 jahren gegen böse ausländischen webseiten eingeführt haben (versch. webseiten können staatlich gesperrt werden) – ja wir haben eine chinesisch digitale mauer – wird sie auch dieses referendum ablehnen. und darum hoff ich die EU führt artikel13 ein – da wir gerade über einen speziellen Rahmenvertrag mit der EU verhandeln und wohl untererzeichnen – und wenn der vertrag kommt – wird die schweiz das härtere gesetz das wir jetzt haben abschaffen und mit dem leichten artikel 13 abschwächen :)

  2. Bernhard 8. März 2019 um 16:29

    Das schleswig-holsteinische Landesparlament hat sich (fast) enstimmig gegen Artikel 13 ausgesprochen. Eine Gegenstimme kam von einer Abgeordneten der AFD. Uploadfilter bzw. im neune CDU Deutsch Erkennungssoftware können gar nicht funktionieren, wie du schön aufgezeigt hast. Z.B. können diese, Parodien (die nach Artikel 13 erlaubt sind) gar nicht erkennen.

    Der Kölner Medienrechtsanwalt Solmecke hat in einem YouTube Video an einem konkreten Beispiel aufgezeigt das Artikel 13 – so wie er da steht – nicht funktionieren kann. IT Fachleute sagen unisono das es so nicht funktioniert, aber Politiker wissen ja alles besser.

  3. Ilona 13. März 2019 um 13:47

    An Copytrack musste ich da übrigens auch gleich denken – und an die tollen „Treffer“ ;)
    Übrigens… auch ein Riese wie Google ist da technisch noch nicht so viel weiter: Die Google Bildersuche kann man ja sehr ähnlich nutzen – und wenn man sieht, was da dann für „ähnliche Bilder“ kommen… nun ja.

    • Thomas Jansen 13. März 2019 um 17:51

      Hi Ilona,

      jo, die Google-Bildersuche ist auch so ein Highlight für angewendete KI.

      LG Thomas

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