Selbstzweifel beim Bloggen – Projekt 52

Selbstzweifel beim Bloggen – Projekt 52

Darf ich das überhaupt schreiben? Interessiert das jemanden? Ist das gut genug? Willkommen im Club der bloggenden Selbstzweifler. Ich könnte da der Vorsitzende sein. Selbstzweifel sind beim Bloggen mein ständiger Begleiter.

Der Zweifel ist mein ständiger Begleiter

Selbstzweifel schleichen sich bei mir gerne an, wenn ich versuche, irgendwas Kreatives aus meinem Kopf zu quetschen. Ich habe eine Idee, setze mich hin – und plötzlich steht dieser innere Kritiker neben mir, mit hochgezogener Augenbraue und den Worten: „Echt jetzt? Darüber willst Du schreiben?“

Und schon ist man mittendrin in einer Spirale aus „Bin ich gut genug?“ und „Was, wenn das peinlich ist?“.

Spoiler: Das geht fast allen so, auch den scheinbar souveränen Großbloggern mit fünfstelligen Followerzahlen und perfekt kuratierten Instagram-Feeds. Da bin ich mir ganz sicher. Wobei einige wenige davon auch keine Zweifel beim Thema peinlich haben, dass wäre ein anderes Thema.

Bloggen ist wie nackt im Internet stehen – nur mit Wörtern

Wer bloggt, gibt etwas von sich preis. Eine Meinung, eine Beobachtung, manchmal sogar ein Stück Persönlichkeit. Das macht verletzlich – und das weiß der Selbstzweifel ganz genau. Der flüstert Dir ein, dass Du besser nichts veröffentlichst, denn was, wenn… ja, was eigentlich?

  • Was, wenn jemand denkt, es sei schlecht?
  • Was, wenn niemand es liest?
  • Was, wenn du morgen selbst denkst, es war Quatsch?
  • Was, wenn sich jemand am Inhalt stört?

Tja. Und dann? Macht doch nichts. Kein Artikel, auch der beste der Welt, wird allen gleich gut gefallen. Das ist halt so.

Was, wenn ich jemanden verletze?

Und dann ist da noch diese andere Stimme – nicht die zweifelnde, sondern die vorsichtige. Die sagt: „Pass auf, was du schreibst – nicht, dass du jemanden diskriminierst, ausschließt oder verletzt.“

Und weißt du was? Diese Stimme ist wichtig. Sie zeigt, dass Du Verantwortung für Deine Worte übernimmst, dass Du Dir Gedanken über Deine Wirkung machst. Das ist nicht Schwäche – das ist Stärke.

Aber sie darf Dich nicht lähmen. Schreibe trotzdem darüber, was Dich bewegt.

Denn manchmal versuchen wir, es allen recht zu machen, und am Ende sagen wir gar nichts mehr. Dabei ist es völlig okay, nicht perfekt zu sein. Gerade wenn man sensible Themen anspricht, stehen schnell ideologische Hater auf der Matte und versuchen Dich in eine verbale Arena zu ziehen, auf deren Grund Du nur verlieren kannst. Da hilft nur ignorieren oder blocken. Ein sachlicher Austausch mit Argumenten ist dort vergebene Liebesmüh und Zeitverschwendung.

Vor allem dürfen diese Menschen nicht dafür sorgen, dass Du zukünftig nicht mehr schreibst oder nur noch über rosa Einhörner.

Nach den Erlebnissen der letzten Wochen ist für mich klar, ich schreibe jetzt, was mir passt. Egal, wie viele Gedanken man sich macht, irgendwer ist immer getriggert. Es gibt nur eine Art Beitrag, mit dem man niemanden auf die Füße tritt: Ein nicht geschriebener Beitrag. Und das kann nicht der richtige Weg sein. Denn damit hätten die Nörgler ihr Ziel erreicht. Ich muss nur lernen, mir ein dickeres Fell anzulegen. Das empfehle ich Dir auch, wenn Du öffentlich was ins Netz schreibst.

Trotzdem sind diese Selbstzweifel für mich ein Grund, wenig sensible Themen hier im Blog zu besprechen. Und wenn ich das doch mal tue, dann bestärken mich oft zwei oder drei Kommentare in diesen Zweifeln. Allerdings, wenn ich dann, wie im konkreten Fall, die anderen 30 Kommentare dagegen halte, motiviert das doch wieder zum Schreiben. Man sollte anfangen, wegen einem oder zwei Kommentaren Dinge in Zweifel zu ziehen.

Der Trick: Schreib trotzdem

Weißt du, was hilft? Trotzdem schreiben. Nicht perfekt, sondern echt. Nicht genial, sondern ehrlich. Schreib den Artikel, obwohl du zweifelst. Oder gerade deswegen. Denn oft ist das, was dich unsicher macht, genau das, was andere lesen wollen, weil es menschlich ist, weil es resoniert.

Und mal ehrlich: Die besten Blogartikel sind nicht die glatt polierten Ratgeber mit 10 Tipps, wie man produktiver wird. Es sind die Texte, bei denen man am Ende denkt: „Genau so geht’s mir auch.“

Du musst nicht alle erreichen – nur jemanden

Vielleicht erreicht Dein Beitrag nur eine Person. Aber vielleicht ist es genau der Text, den diese eine Person heute lesen musste. Und wenn das so ist – dann war es das wert. Selbst mit Zweifeln im Gepäck.

Fazit: Bloggen trotz Zweifel – oder gerade deswegen

Selbstzweifel sind kein Zeichen dafür, dass Du scheitern wirst. Sie sind ein Zeichen dafür, dass Dir etwas wichtig ist, dass Du nachdenkst.
Aber sie sollten dich nicht stoppen. Denn du hast etwas zu sagen. Und selbst wenn es keiner liest: Du hast es dir selbst bewiesen.


Projekt 52

Sari veranstaltet seit vielen Jahren auf ihrem Blog Heldenhaushalt die Linkparty Projekt 52. Jeden Monat werden 4-5 Themen vorgeschlagen, zu denen man dann Fotos macht, einen Beitrag erstellt oder ein Social-Media Posting. Für mich ist das eine tolle Motivation, ein wenig auf dem Blog zu schreiben. Warum habe ich diese schöne Aktion nicht früher entdeckt?

Links zur Aktion:

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#blog #bloggen #brettspiele #reisen #fotografie #ruhrgebiet #radfahren #fediblog

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Kommentare

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  1. André G. 09/05/2025 um 18:45 - Antwort

    Schöne Worte! Sie regen auf jeden Fall zum Nachdenken an und zeigen einem eine ganz andere Sichtweise.

  2. Eddy 09/05/2025 um 20:41 - Antwort

    Ich finde, mit deinem Fazit bringst du das Thema gut auf den Punkt. Bloggen kann auch eine Selbsttherapie sein.

    Liebe Grüße
    Eddy

    • Herr Tommi 09/05/2025 um 20:54 - Antwort

      Ist bei mir tatsächlich häufig so, es macht den Kopf frei.

  3. Sari 10/05/2025 um 7:32 - Antwort

    „Bloggen ist wie nackt im Internet stehen – nur mit Wörtern“ – Das ist so verdammt wahr und es erfordert immer und immer wieder so viel Mut sich so „blank“ zu machen, denn man macht sich damit ja auch angreifbar. Viele Beiträge sind eine mentale Überwindung, weil man eben doch viel von sich preisgibt. Aber ich finde es mutig und toll!

    • Herr Tommi 10/05/2025 um 8:40 - Antwort

      Yep, das ein Punkt, den viele unterschätzen. Hat man den Mut über sich und seine Gefühle, Gedanken zu schreiben einmal gefunden, fühlt es sich durchaus befreiend an.

  4. Edeline 10/05/2025 um 9:01 - Antwort

    Hallo Tommi,
    ein toller Beitrag! Und ich kann es absolut nachvollziehen, so geht es mir auch oft und man denkt darüber nach kann man darüber schreiben oder nicht. Es gibt auch Dinge, worüber ich auch nicht schreibe und selten auch woanders mit Kommentare reagiere, da ich sie zu persönlich und kritisch sehe (z.B. politische Themen oder Liebesthemen). LG Edeline

  5. Joni Bloggt 11/05/2025 um 23:33 - Antwort

    Und ich bin die eine Person die diesen Beitrag lesen musste denn im Thema Hoffnung berichte ich über mein Bloggertief

  6. Norbert 14/05/2025 um 19:44 - Antwort

    Lustig, vor einigen Tagen habe ich bewusst zwei Artikel nicht gebracht. Ich war mir nicht sicher, ob sie für die entsprechenden Blogs passen, detailreich genug sind, ob es nicht zuviel Blabla ist … Selbstzweifel eben.

    Einen davon hab ich dann doch gebracht, allerdings in einer ganz anderen Form.

    Selbstzweifel hat jeder mal und da muss man durch. Wie du sagst, ist es wichtig zu schreiben. Eventuell passt es dann ja doch, oder einfach zu einem späteren Zeitpunkt.

    • Angela Carstensen 26/05/2025 um 16:06 - Antwort

      Ich bin sehr froh, dass ich aus dieser Phase aktuell raus bin. Wenn es mein Beitrag ist, dann passt er in meinen Blog. Schließlich ist es mein Blog und da passe ich auf jeden Fall rein ;) Wenn Menschen ihn nicht lesen, ist das kein Problem. Wenn sie ihn gelesen hätten, aber nicht lesen können, weil ich mir das Posten verkniffen habe, das ist doch wirklich schade.

      Mein Jahresmotto ist „Was soll passieren?“ So langsam zeigt es Wirkung, haha!

  7. Angela Carstensen 26/05/2025 um 16:03 - Antwort

    Ich sehe das auch so. Auf meinem Blog sehe ich es inzwischen echt so, dass ich so schreibe, wie ich es für richtig halte und über das, was für mich relevant ist. Wenn wir uns alle immer 100% in alle Richtungen absicherten, dann würde es sehr leise im Netz. Wobei realistischerweise diejenigen, die sowieso destruktiver unterwegs sind, sich nicht beschränken würden und dann hätten die 100% der Bühne.

    Wie du sagst, sich zu hinterfragen ist ein gutes Zeichen. Und kein Grund, sich selbst zu zergrübeln.

    • Herr Tommi 27/05/2025 um 15:01 - Antwort

      Das ist genau das Problem, die die Hetzen, pöbeln, trollen machen sich solche Gedanken nicht und werden dann, durch die Algorithmen, auch noch belohnt und bekommen Reichweite.