Reisen trotz Krieg in der Ukraine?

Veröffentlicht: 06. März 2022

Autor: Herr Tommi

Jo, jetzt geht die Diskussion los. Wie kann man denn Verreisen und Urlaub machen, wo doch fast vor der Haustüre ein Krieg tobt. Ganz ehrlich? Weil man es kann, es nicht verboten ist und viele Menschen wirklich am Ende sind, nach über zwei Jahren Pandemie. Und ja, der Krieg ist fürchterlich und nahe vor der Haustüre. Aber hier herrscht immer noch Frieden, mit allen Freiheiten.

Wir verreisen im April, komme, was wolle!

Wir sind durch, fertig, am Ende. Seit über zwei Jahren hocken wir zu Hause. Ja, wir haben uns das selbst auferlegt. Wir wollten in den zwei Jahren der Pandemie nicht reisen. Wir wollten uns schützen und gleichzeitig nicht als tickende Virenschleuder in den Urlaub fahren oder von da zurückkommen. Daher haben wir, außer ein paar Tagesausflügen, nichts gemacht.

Gleichzeitig haben wir, damit das mal klargestellt ist, niemals jemandem vorgeworfen, welcher in den letzten zwei Jahren in Urlaub gefahren ist. Auch wenn wir das für uns ausgeschlossen haben, konnten wir andere verstehen, wenn sie mal einen Tapetenwechsel benötigten. Es wäre auch der Gipfel der Doppelmoral, wenn wir das verurteilt hätten, denn wir haben in der Zeit Reisen verkauft. Und nur weil wir nicht wollten, heißt es nicht, dass wir es anderen nicht gegönnt hätten.

Das gilt besonders für die Zeiten, in denen das Reisen erlaubt war. Ganz zu Beginn der Pandemie, mit den Reisebeschränkungen in der ganzen Welt, da haben uns einige Mitmenschen, welche diese austricksen wollten, ein wenig die Zornesfalten ins Gesicht getrieben. Ebenso konnten und können keine Jammerei ertragen, wenn Leute nach einer Reise in ein Risikogebiet in Quarantäne müssen. Selbst gewähltes Schicksal, dumm gelaufen.

Wir haben in den letzten zwei Jahren mehrfach überlegt, ob wir ein paar Tage an einem anderen Ort fahren sollen. Schön in eine Ferienwohnung, ohne soziale Kontakte, einfach nur woanders sein. Wir haben uns immer dagegen entschieden, haben aber auch nicht darüber rumgejammert.

Jetzt haben wir uns entschlossen, im April geht es auf Reisen. Eine Woche Kreta. Andere Luft, Sonne, Strand, Meer, Berge und das ein oder andere Gyros vernichten. Und was kommt jetzt? Ein Krieg, fast vor der Türe, in der Ukraine.

Wie kann man jetzt Urlaub machen?

Und schon liest man im Netz die ersten Stimmen, „Wie Urlaub? Es ist doch Krieg!!elf1!“. Ja, stimmt, wir fahren aber trotzdem in Urlaub. Weil es nicht verboten ist, weil es für uns machbar ist, weil wir es nötig haben.

Als nun auch noch die liebe Barbara von Reisepsycho dazu ein Interview beim RND gegeben hat, haben wir das bei ihr schon kommentiert und entschlossen, auch hier auf dem Blog unseren Senf dazu aufzuschreiben. Uns selber hat noch niemand direkt diesen Vorwurf gemacht. Aber wir haben auf den Social Medias schon entsprechende Kommentare bei anderen Reisenden und Reisebloggern gesehen. Wie man denn aktuell schöne Urlaubsfotos im Netz zeigen könnte? Ja, ganz einfach, um mal eine Ablenkung von dem ganzen Wahnsinn da draußen zu haben.

Nach zwei Jahren Pandemie, nach zwei Jahren Homeoffice, nach zwei Jahren mit teilweise verregneten Urlaubswochen, wollen wir einfach mal raus hier. Homeoffice, nur zu Hause, an den Wochenenden Regen, nur zu Hause, in den freien Wochen, oft bei Regen wieder zu Hause gesessen. Uns fällt mittelmäßig die Decke auf den Kopf.

Und ja, man hätte ins Museum gehen können oder in einen überdachten Zoo. Ja, hätte man, ohne Pandemie. So hat uns aber nichts in geschlossene Räume gezogen. Wir haben ja kein Problem mit der Maske, aber drei Stunden in einem Tropenhaus? Ne, schönen Dank auch. Viele haben und vorgeworfen, wir wären „zu ängstlich“. Ja, mag sein, wir nennen es aber rücksichtsvoll. Bis heute nehmen wir Covid ernst, diese angebliche Grippe mit stellenweise jahrelangen Folgen, die noch nicht erforscht sind.

Wir sind aber an einem Punkt, wo wir für uns entschlossen haben, dass eine Reise kalkulierbar ist. Wir sind geimpft, geboostert und haben einen großen Vorrat an FFP2-Masken.

Ja, andere Menschen müssen noch viel mehr erleiden, als 25 Monate zu Hause zu hocken und nicht in Urlaub fahren zu können, auch das ist uns bewusst. Dass wir nach Urlaub schreien, ist ein First-World-Problem.

Reisen trotz Krieg in der Ukraine?

Achja, jetzt der Krieg. Uns ist bewusst, dass wir ein unglaubliches Privileg genießen. Wir können reisen, seit Jahrzehnten, wie es uns beliebt. Mit unserem Pass können wir die meisten Länder besuchen. Dank unserer Jobs, können wir uns das auch finanziell erlauben. Das ist ein Privileg, welches die große Masse der Menschen auf der Welt nicht hat und dafür sind wir demütig dankbar.

Und wir können auch jetzt noch reisen, trotz eines Krieges, der nur tausend Kilometer vor der eigenen Haustüre stattfindet. Es ist nicht verboten, wir haben das Geld, wir haben die Lust zu reisen und wir werden es tun. Und wir können jeden anderen Menschen verstehen, der jetzt Reisepläne für das laufende Jahr macht, trotz der Lage in der Welt.

Ja, die Lage in der Ukraine ist schlimm, fürchterlich. Dieser unnötige Krieg, diese Gewalt ist zu verabscheuen. Die Menschen dort haben unser tiefstes Mitgefühl, wir hoffen auf ein gutes Ende für jeden Menschen dort im Land oder auf der Flucht. Wir spenden, wo es geht und wo es sinnvoll ist, gehen auf Friedensdemos. Das ist unser kleiner Anteil. um den betroffenen Menschen wenigstens ein klein wenig zu helfen.

Auch die offenen Drohungen des einen Russen sind nicht spurlos an uns vorbeigegangen. Ganz im Gegenteil. Wir haben den Kalten Krieg miterlebt, im Gegensatz zu manch einem „Wie könnt Ihr nun in den Urlaub fahren“-Jung-Weltverbesserern. Wir hätten uns vor ein paar Wochen nicht vorstellen können, wieder diese Angst vor einem globalem Krieg oder einen Atomschlag erleben zu müssen. Das Thema hatten wir eigentlich abgehakt.

Nur, auch damals sind wir in den Urlaub gefahren. Wir sind auch in den Urlaub gefahren, als es zu Kriegen im Irak, in Syrien, in Afghanistan und sonst wo auf der Welt gab. Da hat kein Hahn danach geschrien. Jetzt ist der Krieg hier in Europa, nicht weit von uns entfernt. Und, ist es dadurch ein schlimmerer oder besserer Krieg? Nein, ist es nicht. Warum sollen wir uns also anders verhalten? Das Leben geht weiter, so hart es auch manchmal ist. Wenn wir hier zu Hause sitzen, verhindern wir nicht einen Angriff in diesem Krieg, wir treiben damit die Parteien nicht an den Verhandlungstisch und das Elend wird dadurch nicht geringer.

Kraft tanken!

Wir wollen diesen Urlaub nutzen, um wieder Kraft zu tanken. Und ja, nach zwei Jahren Rücksichtnahme auf Gott und die Welt, nach Rücksichtnahme auf Eltern, Familie und Freunde, nach zwei Jahren Rücksichtnahme selbst auf unwillige Leerdenker, nach zwei Jahren Diskussionen haben wir die Nase einfach voll. Wir benötigen Abstand, wir müssen Kraft tanken. Und diesen Abstand zum Alltag bekommt man zu Hause nicht. Der Alltag, die Sorgen, holen einen immer wieder ein.

Und an dieser Stelle sind wir jetzt mal egoistisch. Einfach egoistisch. Wir denken an uns, an unser Wohlbefinden, an das, was uns guttut. Und das ist einfach mal ein Ortswechsel. Eine andere Kultur, andere Menschen, anderes Essen und – ganz wichtig – anderes Wetter.

Zwei Jahre lang haben wir rücksichtsvoll und empathisch gelebt. Das mussten wir oft genug auch noch rechtfertigen, uns als ängstlich bezeichnen lassen, als übervorsichtig. Wer uns jetzt also mit einem „Müsst ihr jetzt in Urlaub fahren“ kommt, sollte sich auf ein mittelschweres Donnerwetter einstellen, mit anschließender Funkstille auf Dauer.

Wie sehen Eure Reiseplanungen aus? Habt Ihr was geplant? Oder vermiest Euch dieser Krieg eure Reiseplanungen?

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7 Kommentare

  1. hubert 6. März 2022 um 18:44 - Antworten

    April oder Mai, das ist nun die Frage, die mir zwischen Überschrift und Text bei euch bleibt :-p

    Ja, ein klein wenig plane ich, planen wir, mal sehen, was davon es wirklich wird. Das Hiking-Barcamp im April? 5 Tage Berlin parallel zu re:publica im Juni, um nach 3 Jahren endlich wieder die Realblase zu sehen? Und im August dann zusammen Urlaub, wohl irgendwo, wo es bergig ist. Wieder in einer Ferienwohnung, wie schon die letzten beiden Jahre. Um kochen zu können, wenn wir nicht draußen essen gehen können.

    Also: Gönnt euch!

  2. Oli 7. März 2022 um 10:23 - Antworten

    Ich finde schon die Frage an sich reichlich absurd. Was zur Hölle sollte es den Ukrainern helfen, wenn man nicht reist? Wegen Corona nicht reisen: Das klingt vernünftig, weil man bei der Ausbreitung eines Virus hilft. Wegen Klima-Wandel nicth reisen: Auch vollkommen einleuchtend, weil halt Reisen das Klima schädigt. Aber wegen dem Krieg? Generell ist es doch eher so, dass ein Austausch zwischen den Menschen den Frieden fördert. Gerade die enge Beziehung zwischen Russland und der Ukraine sorgt dafür, dass Putins Aggressionen auch in Russland skeptisch gesehen werden. Wenn man wirklich etwas tun will, dann kann man versuchen, den Flüchtlingen zu helfen. Sachen spenden oder jemanden aufnehmen. Aber nicht mehr reisen? Das bringt wirklich nichts.

  3. Saskia 9. März 2022 um 8:13 - Antworten

    Kein Urlaub wegen Krieg?!
    So habe ich das noch gar nicht gesehen…
    Würde doch eher sagen: Urlaub wegen Krieg, denn wer weiß schon, wie es zukünftig damit aussieht!
    Es wäre schön, wenn meine Entscheidung, nicht in den Urlaub zu fahren, eine positive Auswirkung auf den Krieg hätte. Solange das aber nicht passiert, kann ich getrost Urlaub machen, samt Vorfreude…und so stehen die Zeichen ganz klar auf „ab in die Sonne“. Und jeder, der mich kennt, weiß, dass das nicht aus Egoismus oder fehlender Empathie erfolgt, sondern, weil ich es (noch) in Anspruch nehmen kann…so what!?

  4. Gabriele Campbell 19. März 2022 um 19:37 - Antworten

    Ich werde sogar ziemlich nahe an den Krieg heranfahren, nämlich ins Baltikum. Wegen Corona habe ich das zweimal verschoben und nur Inlandsreisen gemacht, jetzt lasse ich mir das von Putin nicht nochmal verderben.

    Angst, dass die Russen gerade dann einmarschieren? Nein, und sollte das passieren, werde ich bleiben und mitkämpfen. Denn dann haben wir den dritten Weltkrieg.

  5. Just me 1. Mai 2022 um 15:48 - Antworten

    Wir hatten leider auch die Diskussion… seit zwei Jahren verschieben wir unseren Griechenlandurlaub wegen COVID. Durchhalten, arbeiten, alles tun, dass es dem Kind gut geht, Distanz (bewusst dafür entschieden aus Rücksicht) aushalten, durchhalten für uns und alle… und dann kommt der Krieg. Furchtbar! In dieser Zeit nicht weit von uns. Da kommt die Angst, Mitgefühl, der Wunsch zu helfen, Aussichtslosigkeit, Chaos im Kopf. Die Buchung für Griechenland existiert die ganze Zeit. Als die erste Frage, ob wir wegen des Krieges nicht lieber stornieren wollen, kam, war ich geschockt. Nicht dass ich den moralischen Zwiespalt nicht verstünde, aber warum fragt mich das jemand direkt auf den Kopf zu? Sowas fiele mir nie ein. Das muss doch jeder für sich selbst entscheiden. Und wir haben reiflich überlegt und entschieden. Wir fahren! Ob es vielleicht gut wäre, das Geld zu sparen und nächstes Jahr für die Gasnachzahlung zu nehmen? Möglich. Ob es moralisch richtig wäre, hier zu bleiben und auf Erholung zu verzichten, weil unweit von uns Menschen sterben? Kaum! Es wird keiner überleben, nur weil wir daheim bleiben. Der Krieg wird nicht sofort enden, wenn wir unsere Reise stornieren. Dieser direkte Zusammenhang existiert leider nicht. Wenn dem so wäre, würde ich jetzt sofort stornieren!
    Wir werden Urlaub machen als Familie. Wir werden uns erholen, gemeinsame Zeit genießen, Leben spüren, atmen, lachen, einfach sein. Wir werden Kraft sammeln für die Zeit nach dem Urlaub, die definitiv nicht leicht wird und uns wieder alles abverlangen wird. Wir machen Urlaub um danach weiter durchhalten zu können, für uns, für alle. Denn Durchhalten wird gefragt sein.
    Die letzten Jahre und die aktuellen Ereignisse haben uns ganz deutlich gezeigt, dass unser Leben, wie wir es kennen, alles andere als gesichert und in Stein gemeißelt ist. Auch deshalb werden wir mit diesem Urlaub versuchen, schöne Dinge zu genießen, so lange es geht und unserer kleinen Tochter Dinge zu zeigen, die für uns alle lange Zeit so selbstverständlich schienen.

    • Thomas Jansen 1. Mai 2022 um 17:27 - Antworten

      Ihr macht alles richtig. Fahrt in Urlaub und genießt die Zeit. Wir sind schon wieder zurück und es hat richtig gut getan. Und im Juni fahren wir wieder.

      LG Thomas

  6. Julia 16. Juni 2022 um 2:01 - Antworten

    Auch ich wage nach drei Jahren Urlaubspause im September eine zweiwöchige Reise nach Kreta.Zum einen,um die Schönheit der Natur dieser Insel und die Menschen und deren beeindruckende Kultur kennen zu lernen, zum anderen, weil mir der ewige Regen und die Kühle in Norddeutschland auf die Nerven gehen.Ich sehe auch nicht ein,mich von einem Russen einschüchtern zu lassen oder aktuell von einem Türken,der meint,die osmanische Invasion androhen zu müssen.Es herrscht Krieg in der Ukraine. Und daher ist niemandem geholfen,wenn sich die restliche Welt auch noch einschüchtern lässt.Wir müssen Mut und Selbstbewusstsein zeigen.Eine Möglichkeit ist,unsere Freiheit zu leben.Ich wünsche mir,dass dies bald wieder für alle Menschen gilt und diese sogenannte Machtelite in ihrer Toxizität erstickt.

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