
Politik auf dem Blog – am Beispiel Gaza
Heute mal ein etwas ernsteres Thema. Horst fragt in seinem Beitrag, warum so wenig über das Thema Gaza auf Blogs zu lesen ist. Ich denke, die Frage kann man ausweiten. Warum ist viel zu wenig über Politik in der Welt zu lesen? Nehmen wir doch mal das Beispiel Gaza und was da gerade passiert. Warum liest man so wenig darüber in der Bloggerszene, wo ich mich bewege?
Gaza – was löst das in mir aus?
Ich kann nur für mich sprechen und meine Meinung ist sicherlich nicht der Nabel der Welt oder ein Gradmesser für die Blogosphäre. Aber mir fehlt inzwischen der Überblick, wer da unten in diesem Konflikt die Guten und die Bösen sind. Hier setzt nur mein menschliches Denken ein. Das sieht einen Überfall der Hamas im Jahr 2023, der an Grausamkeit kaum zu überbieten war. Ich verstehe auch, dass das eine Reaktion vonseiten Israels provoziert hat.
Heute sehe ich die Bilder im Fernsehen. Bilder aus dem Gaza-Streifen, wo Kinder, Frauen, alte Menschen vollkommen hilflos von A nach B flüchten, seit vielen Monaten. Immer auf der Flucht vor dem nächsten Bombenangriff. Ich sehe in den Bildern das unendliche Leid der Menschen. Und trotzdem kann ich mir kaum vorstellen, wie es sich anfühlt, dort zu leben. Täglich mit der Angst um das eigene Leben konfrontiert. Und dabei von der Hamas vermutlich noch als menschliche Schutzschilde missbraucht und ebenfalls unter Druck gesetzt.
Und dann kommt bei mir die Frage auf, rechtfertigen die Hamas-Angriffe diesen Terror gegen ein ganzes Volk, gegen einen ganzen Landstrich? Und mein Innerstes sagt laut und deutlich: Nein! Das was Israel da macht, ist meiner Meinung nach zu verurteilen. Auch wenn es Israel ist. Das ist kein Freifahrtschein.
Dabei verurteile ich nicht die israelischen Menschen, ebenso wenig wie ich palästinensische Menschen für das Treiben der Hamas verurteile. Ich verurteile auch keine russischen Menschen pauschal für das, was in der Ukraine passiert. Ich bin davon überzeugt, ein Großteil aller Menschen auf der Welt will einfach nur in Frieden leben und sein Tageswerk erledigen, ohne Angst haben zu müssen.
Warum blogge ich so selten über diese Themen?
Natürlich könnte ich das hier im Blog in Worte fassen, könnte meiner Meinung noch mehr freien Lauf lassen, wie ich es in den Absätzen vorher nun mal ansatzweise getan habe. Aber ich weiß vorab, was kommen wird. Sei es in den Social Medias oder hier in den Kommentaren. Der Weg als Antisemit und Palästinenser-Freund in eine schwarz-weiß-denkende Schublade gesteckt zu werden, ist nicht weit.
Das erinnert mich direkt daran, wie vor der Bundestagswahl ein Blogger, der nicht gleich alle AfD-Wähler pauschal als Idioten bezeichnet hat, mal stramm in die rechte Ecke gestempelt wurde, auf dem Wohlfühlnetzwerk Mastodon. Das hat mich nachhaltig verschreckt. Denn auf diese Diffamierungen und Diskussionen habe ich wenig Lust. Dabei habe ich ja Erfahrung damit sammel können. Letzten schrieb ich, dass ich nicht bei jedem Bild bei Mastodon eine Bildbeschreibung poste. Seitdem bin ich offiziell misogyn und ableistisch. Da machste auch nichts, außer mit den queeren und beeinträchtigten Menschen in meinem Umfeld herzhaft darüber zu lachen.
Denn am Ende ist es auch so, ich habe meine Meinung zu vielen Dingen, die auf der Welt geschehen. Diese Meinung wird geprägt durch die Presse, durch Berichte in den verschiedenen Medien. Aber ein abschließendes Urteil ist oft schwer zu fällen, weil man zu wenig Ahnung hat und zu weit von den Geschehnissen entfernt ist. Natürlich kann ich trotzdem meine Meinung hier ins Netz schreiben, das verbietet mir ja keiner. Nur, dann muss ich ein dickeres Fell entwickeln, weil man halt mit „merkwürdigen“ Reaktionen rechnen muss. Und das wäre etwas, was ich dann dringend lernen muss.
Andererseits ist es vielleicht wichtig, dass gerade wir Blogger viel öfter Stellung beziehen. Auch mit Meinungen, die gerade nicht populär sind. Das macht übrigens der Henning immer prima, so auch zum Thema Gaza. Und ich lese ihn genau deswegen sehr gerne. Wir Blogger sollten und dürfen auch mal unbequem sein, mal anecken, zum Diskutieren anregen.
Hm, ich denke mal drüber nach – vielleicht schreibe ich in Zukunft doch gelegentlich mal was zu dem Irrsinn in der Welt. Denn das Leben besteht nunmal nicht nur aus Bloggen, Reisen und Fotografie. Auch wenn das ein Wunsch wäre.
Kommentarbereich


Das ist wahrlich kein einfaches Thema, das ihr euch ausgesucht habt. Es gibt mehrere Gründe, warum ich nicht über Kriege blogge:
1. Es ist kein schönes Thema. In Kriegen sterben zehntausende Menschen. Ich bin bei dir, die meisten von ihnen wollen kein Krieg.
2. Es ist ein schwieriges Thema. Um die Gründe des Gaza-Kriegs aufzurollen, müsste ich Jahrzehnte zurückblicken.
3. Es ist ein fortwâhrendes Thema. Es gibt ja nicht nur die Kriege in Gaza und in der Ukraine. Es gibt auch noch Kriege in Afrika, bspw. in Kongo und im Sudan. Darüber wird in Deutschland kaum berichtet.
4. Ich habe keine persönliche Beziehung zu dem Thema. Ich kenne (zum Glück) niemanden, der in einen Krieg verwickelt ist.
5. Ich fühle mich hilflos. Ich kann hier von Deutschland aus nichts bewegen. Wenn es nach mir ginge, würde ab sofort auf der ganzen Welt Waffenstillstand herrschen. Aber leider hören die kriegführenden Staaten nicht auf mich.
Moin Erik,
Nummer 5 trifft es, diese Hilflosigkeit. Und selbst wenn wir zu zweit schreiben, es wird nicht reichen, die Verantwortlichen in den Staaten zu erreichen.
Stimme Erik voll zu. Die Hilflosigkeit trifft es sehr gut. Für mich persönlich macht es keinen Sinn, darüber ausführlich zu bloggen. Ich habe auch keine Lust, mich irgendwelchen Shitstorms auszusetzen. In den sozialen Medien wird schon lange nicht mehr sachlich diskutiert. Das wissen wir alle. Die Schubladen sind mir inzwischen zu groß.
Liebe Grüße
Sabine
Bei mir ist es oft so, dass ich über Themen schreibe, die mich persönlich besonders berühren – und das sind leider nicht immer die angenehmen Seiten des Lebens. Ich gebe zu: Es sind oft eher kritische oder nachdenkliche Eindrücke, die mich zum Bloggen bewegen. Dass meine Ansichten nicht immer auf Zustimmung stoßen und hier und da auch mal ein Kopfschütteln oder kritische Kommentare provozieren, stört mich nicht – das gehört für mich zur Meinungsäußerung dazu. Natürlich wäre es mir auch lieber, wenn die behandelten Themen stets auf breites Interesse und Zustimmung treffen würden. Aber so einfach ist die Welt nun mal nicht gestrickt.
Erik hat völlig recht: Krieg, Leid und Krisen sind keine leichten Themen. Umso mehr bedaure ich, dass sich viele Blogger davor scheuen und stattdessen lieber im Selbstreferenziellen bleiben. Das ist verständlich, aber eben nicht mein Weg.
Und weil ich gerade dabei bin: Danke fürs Verlinken, Thomas! 🙂
Du sprichst mir aus der Seele! Zur Unterscheidung dieser Kritik, die von interessierten Kreisen als „Antisemitismus“ diffamiert wird, siehe auch den guten Blogpost von Antje Schrupp:
Ist Antizionismus antisemitisch?
https://antjeschrupp.com/2025/05/13/ist-antizionismus-antisemitisch/
Es ist wirklich grausam. Vielleicht muss ich darüber demnächst auch mal schreiben
Es gibt einen Satz, den ich wie ein Mantra immer sage: „Als erstes stirbt im Krieg immer die Wahrheit.“ :-/
Da ist auch viel Wahres dran.