Merchants Cove

Veröffentlicht: 22. September 2022

Autor: Herr Tommi

Merchants Cove wurde veröffentlicht und wir haben direkt zugeschlagen. In diesem Spiel müssen wir Waren produzieren oder sammeln und diese am Ende der Runde auf einem Markt verkaufen. Das Faszinierende an dem Spiel ist es, dass jede Figur im Spiel ganz anders zu spielen ist und die gewaltige Tischpräsenz des Spiels. Eines können wir nach den ersten Partien sagen, da ist ein Top-Spiel bei uns eingezogen.

Merchants Cove – eine schwere, gut organisierte Box

Das Spiel Merchants Cove ist seit wenigen Tagen im Handel zu erhalten. Eigentlich wollten wir es uns auf der Spiel 22 in Essen kaufen. Nur, wie so oft fehlte uns die Geduld, um darauf zu warten. Aber wenn wir es nicht auf der Messe „jagen“ und schleppen müssen, dann ist es uns auch recht. Jagen in dem Sinne, dass man es zunächst bekommen muss. Wir befürchten, dass es auf der Messe schnell ausverkauft sein könnte, weil es recht gehypt ist – übrigens völlig zurecht.

Das Spiel ist ein Brocken, es kommt in einem 3,5 Kilogramm schweren Karton daher. Nach dem Öffnen ist man von den Materialien erst mal erschlagen.

Tüten mit Zubehör, eine große Tüte voller Spielpläne, einige Stanzbögen zum Auspöppeln und, sehr genial, viele Boxen zum Einsortieren des ganzen Materials. Dazu gibt es Übersichtspläne, auf denen man erkennen kann, in welche Box das Material einsortiert werden soll. Es gibt zwei große Boxen für das allgemeine Spielmaterial und für jeden der Charaktere noch eine eigene Box. Am Ende passt dann alles wunderbar in die Spielbox. Das Ordnungssystem bekommt von uns auf jeden Fall einen ganz dicken Daumen nach oben.

Trotzdem waren wir zu Beginn ein wenig verwirrt, da uns eine Gesamtübersicht über das Material fehlte. Später haben wir aber kapiert, dass das allgemeine Spielmaterial in der Spielanleitung aufgelistet war. Die Teile für die Charaktere fanden wir dann in den einzelnen Spielanleitungen, welche für jede Rolle dabei lag. Dann ging das mit dem Sortieren richtig fix.

Neben dem oben genannten Material liegen dem Spiel noch mehrere Spielanleitungen bei, denn jeder Charakter im Spiel hat seine eigenen Regeln. Zusätzlich findet man noch eine Aufbauanleitung. Denn nun hieß es, sechs Schiffe, einige Regale und andere Komponenten für die Charaktere zusammenzubauen. Diese werden aus den beiliegenden Pappteilen gefaltet. Woanders haben wir Kritik darüber gelesen, dass hierbei die Verbindungen zu eng gestanzt seien. Nur, wenn die dauerhaft halten sollen, müssen die eng sitzen, sonst klappt es ja ständig wieder auseinander. Mit sanftem, vorsichtigem Druck konnten wir alle Modelle unfallfrei zusammenbauen.

Nachdem wir dann alles ausgepackt, ausgepöppelt, zusammengebaut und sortiert hatten, konnten wir auch die ersten Partien spielen.

Informationen zu Merchants Cove

Cover Merchants Cove
  • Autor: Carl Van Ostrand, Drake Villareal, Jonny Pac

  • Verlag: Pegasus

  • Veröffentlicht: 2022

  • Spielerzahl: 1 bis 4

  • Alter: ab 10 Jahre

  • Spieldauer: 60-90 Minuten

  • Genre: Kennerspiel

  • Mechanik: Wirtschafts-Strategie | Asynchron | je nach Rolle: Würfel, Ressourcen, usw.

  • Anleitungen und Tipps: Spielregeln bei Youtube erklärt

Merchants Cove – Kunden anlocken und Waren verkaufen

Das Grundprinzip des Spiels ist denkbar einfach erklärt. Die Charaktere der Spieler produzieren oder sammeln große und kleine Waren, welche sie dann auf dem Markt von Merchants Cove verkaufen wollen. Ziel einer Runde ist es, so viele Waren wie möglich herzustellen und diese dann an die (farblich) passenden Kunden zu verkaufen, welche per Boot in den Hafen von Merchants Cove reisen. Gewonnen hat am Ende, wer nach drei Spielrunden das meiste Gold gesammelt hat.

Das Spiel geht über drei Runden. Als Erstes werden dabei die Boote auf dem Meer platziert und mit den ersten Meepeln, welche die potenziellen Kunden darstellen, befüllt. Danach folgt die Produktionsphase, dann eine Marktphase und in der letzten Phase wird das Spiel dann für die nächste Spielrunde vorbereitet.

Die Produktionsphase – asynchrone Charaktere

Mit dem Grundspiel werden vier verschiedene Charaktere mitgeliefert, und ein fünfter für ein Solospiel, den wir hier aber ignorieren. Es gibt einen Schmied, eine Alchimistin, eine Kapitänin und ein Zeitreisender. Hier ahnt man schon, dass diese unterschiedliche Waren herstellen oder sammeln.

Der Schmied baut Waffen und Rüstungsteile in seiner Schmiede. Dies funktioniert mit einem Würfelmechanismus, mit dem er seine Öfen befeuert und mit Legierungen füllt. Die Alchimistin dagegen braut Tränke und Elixiere. Dazu werden Zutaten, in Form von farbigen Kugeln, aus einem Dekanter in verschiedene Töpfe gegeben, wo dann die gewünschten Tränke entstehen. Als Kapitänin sucht man auf Inseln nach verborgenen Schätzen, welche am Ende der Runde auf dem Mark zum Verkauf angeboten werden können. Zur Hilfe können die Charaktere noch Dorfbewohner anheuern, welche dann einen netten Soforteffekt bringen und eine dauerhafte Fähigkeit für die Produktion der Waren.

Durch Erweiterungen kommen noch weitere Charaktere ins Spiel. Wir haben uns direkt den Gastwirt und die Drachenhüterin besorgt. Beide bringen neue Mechanismen ins Spiel, und einige sehr lustige Ideen. So gibt es beim Gastwirt eine Schlägerei und die Drachen der Hüterin kacken ins Gehege. Sagen wir es mal so, wenn man beim Lesen einer Regel laut lachen muss, macht das Spiel einiges richtig.

Die Charaktere spielen sich also komplett unterschiedlich und haben jede für sich ein eigenes, kleines Regelheft. Aber keine Bange, die sind schnell und leicht zu erlernen.

Während man seine Waren herstellt oder sucht, verbraucht man immer mehr Zeit, die auf einer Uhr festgehalten wird. Die Lage der Zeitmarker auf der Uhr regelt einerseits die Spielerreihenfolge, wer dort hinten liegt, ist als Nächstes an der Reihe, und wann die Marktphase beginnt. Außerdem werden immer neue Kunden in die Boote auf dem Meer gesetzt, wenn auf der Uhr bestimmte Symbole überschritten werden. Dies geschieht, indem neue Kunden blind aus einem Sack gezogen werden. Ist ein Boot mit vier Figuren voll besetzt, legt es am Hafen von Merchants Cove an. Sind alle vier möglichen Anleger mit Booten belegt, beginnt ebenfalls die Marktphase, auch wenn die Uhr vielleicht noch nicht abgelaufen ist.

Die Marktphase – Geld verdienen

Die Marktphase ist für alle Spieler dann identisch. Nacheinander werden die produzierten Waren an passende Kunden verkauft. Es gibt vier unterschiedliche Kundenarten: Krieger, Barden, Zauberer und den Adel. Jede Art hat dabei eine Farbe und man kann nur Waren der gleichen Farbe an die Kunden verkaufen. Daher ist es pfiffig, bereits bei der Produktion darauf zu achten, welche Kundenfarben sind in den Booten zu sehen, um dann passende Waren für die Kundengruppe herzustellen.

Kunden, die in den übrigen Booten sitzen, die nicht am Hafen anlegen konnten, werden auf die Gildehäuser verteilt. Diese können zusätzliches Gold bringen, wenn man die Unterstützung dieser Gilde auf seinem eigenen Spieler-Tableau freigeschaltet hat. Auch das funktioniert bei jedem Charakter anders. Auch am Spielende bringen diese Meeples in den Häusern zusätzliche Siegpunkte.

Rundenende und Schlusswertung

Zum Ende der ersten und zweiten Runde wird nun das Spielfeld für die kommende Runde vorbereitet.

Nach der dritten Runde findet dann die Schlusswertung statt. Dabei werden die eingestellten Dorfbewohner gewertet, welche je nach Gilde nochmals zusätzliches Gold in die Kasse spülen. Dummerweise werden jetzt aber auch die Korruptionskarten gewertet, die man im Laufe des Spiels bei verschiedenen Aktionen bekommt. Je nachdem, wie viele Schurken sich jetzt im Unterschlupf befinden, wird wieder ordentlich Gold abgezogen.

Variables, asynchrones und doch ausgewogenes Spiel

Das Spiel bietet einige Variablen. Das sind einerseits die verschiedenen Charaktere, welche ganz unterschiedlich zu spielen sind. Dabei ist uns aber keiner aufgefallen, welcher überlegen wäre. Zu Beginn des Spiels wird zudem noch eine Diebeskarte gezogen, welche bestimmt, was mit Schurken passiert, die aus dem Beutel der Kunden gezogen werden.

Am Ende ist das Spiel sehr ausgewogen und spannend. Ein klein wenig Glück benötigt man an verschiedenen Stellen, gerade zu Beginn des Spiels. So ist der Schmied von passenden Würfeln abhängig oder die Alchimistin davon, dass die Zutaten in einer guten Reihenfolge im Dekanter liegen. Mit den Angestellten bekommt man dann aber die Möglichkeit, diese Stellen ein wenig zu beeinflussen.

Fazit – uns gefällt Merchants Cove

Merchants Cove hat uns von der ersten Minute an gefesselt. Das Auspacken und Sortieren hat eine Zeit gedauert, das war es aber wert und am Ende steht ein richtig schön anzuschauendes Spiel auf dem Tisch. Die Tischpräsenz, weil das Spiel so wunderschön gestaltet ist. Vom großen Spielplan bis zu den Player-Boards passt einfach alles. Schon beim Aufbau entsteht so eine Fantasy-Atmosphäre, in welche wir gerne spielerisch eintauchen.

Die Regeln sind wirklich nicht schwer und anhand einer, wie wir finden, sehr guten Anleitung schnell zu verstehen. Spätestens in der dritten Runde des ersten Spiels mussten wir da nicht mehr hineinschauen. Auch die Regeln für die einzelnen Charaktere sind schnell und einfach zu lernen.

Die angegebene Spieldauer von 60 Minuten ist bei zwei Spielern auf jeden Fall realistisch. Gespielt haben wir es bis jetzt nur zu zweit, könnten uns aber gut vorstellen, das Spiel auch mal bei Gästen auf den Tisch zu bringen. Allerdings muss man dabei bedenken, dass man mehrere verschiedene Regeln für die Charaktere erklären muss. Auf der Verpackung wird es als Kennerspiel eingestuft, was wir auch hier in unsere Infobox übernommen haben. Aber eine Einstufung als gehobenes Familienspiel hätte vermutlich auch gepasst.

Parallel mit dem Grundspiel sind direkt vier Erweiterungen erschienen, welche neue Charaktere ins Spiel bringen. Zwei davon, den Gastwirt und die Drachenzüchterin, haben wir direkt mit geordert. Das Orakel bringt einen weiteren Charakter ins Spiel und das Geheimversteck bringt weitere Module ins Spiel. Beide werden wir uns wohl (spätestens) auf der Messe in Essen noch kaufen.

Gibt es auch was zu meckern? Ne, eigentlich nicht viel. Wie oben beschrieben, die Auszeichnung als Kennerspiel, darüber kann man streiten. Vielleicht ist es den verschiedenen Regeln für die Charaktere geschuldet. Man muss es schon mögen, für jede Rolle eine neue Regel zu lesen. Hat man diese aber drauf, ist das Spiel eher im gehobenen Familienspiel-Bereich angesiedelt. Also unserer bescheidenen Meinung nach.

Einige kritisieren noch, dass die neuen Charaktere Geld kosten. Nun, das ist bei Erweiterungen einfach so, bei anderen Spielen ist das auch normal. Dem Grundspiel liegen vier vollkommen unterschiedliche Charaktere bei. Wem diese gefallen und wer Spaß am Grundspiel hat, der ist gerne bereit, ein paar Euro für noch mehr Abwechslung zu zahlen.

Für uns ist das Spiel jetzt schon eines der Höhepunkte des Spiele-Herbstes, mit seinen vielen Neuerscheinungen. Zumindest was Zugänglichkeit, Optik, Tischpräsenz und Spielspaß angeht, hat es die Messlatte schon recht hoch angesetzt. Wir würden uns nicht wundern, wenn dieses Spiel im Jahr 2023 in Verbindung mit diversen Spielepreisen wieder ins Gespräch kommt.

Habt Ihr Merchants Cove schon gespielt? Wie ist Euer Eindruck? Schreibt uns Eure Eindrücke gerne in einen Kommentar.

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