Ich werde dünnhäutiger und genervter im Netz
Kinders, ich bekomme zunehmend eine dünne Haut in den Social Medias, auch im ach so tollen Fediverse.
Warum ist das so? Mir geht die zunehmend belehrende Art, dieses von oben herab, auf die Nüsse. Vielleicht liegt es am Alter, vielleicht an der angespannten Nachrichtenlage, vielleicht auch an der vielen Arbeit. Aber ich werde zunehmend dünnhäutiger.
Beispiele? Gerne:
Windows-User gelten in einigen Kreisen als zerebralentkernte Dumpfbacken. Schreibt man was zu Windows oder hat dazu eine Frage, dauert es meist nur Bruchteile von Sekunden, bis der erste mit „Nimm doch Linux“ um die Kurve kommt. Nein, will ich nicht, und ich will auch keine Diskussion darüber führen, warum ich mit Windows eigentlich ganz zufrieden bin. Natürlich ist man dann auch der böse Mensch, welcher Big Tech unterstützt. Ja, mag sein, ich habe aber keine Zeit und auch keine Lust, mich durch drölfzig Distributionen zu probieren, um die für mich passende zu finden, um darauf dann einen Windows-Container zu haben, um für mich wichtige Dinge weiterzunutzen. Zumal ich als Admin in einem Windows-Netzwerk, ohnehin kein Interesse an Alternativen habe, die es für uns auch nicht so richtig gibt.
Ebenso nerven einige inzwischen mit ihren „Fediverse ist nicht Mastodon“-Kommentaren. Ja, wir dort wissen das inzwischen alle. Und ja, Mastodon ist nicht die perfekte Anwendung für alle Erfordernisse. Wer neu bei Mastodon ankommt, wird das vielleicht später merken, dass es für längere Beiträge bessere Systeme gibt, für Bilder auch. Trotzdem geht dieses von oben herab kommentieren (gerade bei Neulingen) echt auf die Nerven. Es hatte keiner danach gefragt, und gerade Neulingen dort kann man so auch direkt den Spaß wieder nehmen.
Und so geht es weiter. Menschen, die Beiträge von LinkedIn oder Youtube im Fediverse teilen, oder wer solche Dienste noch nutzt, müssten „geächtet“ werden.
Wer mehr als die von der Fediverse-Aufsicht gestatteten 5 Hashtags nutzt, ist ein schlechter Mensch.
Dabei geht es nicht darum, dass man keine Alternativen aufzeigen soll. Hier auf dem Blog habe ich auch geschrieben, wie ich das Fediverse statt Instagram nutze. Ich texte nun aber nicht jeden ungefragt zu, der einen Link zu seinen Bildern bei Insta postet. Und schon gar nicht, halte ich Insta-Nutzer generell für schlechtere Menschen. Soll doch jeder nutzen, worauf er Lust hat. Wer Interesse an Alternativen hat, wird schon fragen oder im Rahmen des Di.Day darauf aufmerksam.
Manchmal habe ich bei einigen echt das Gefühl, die meinen wirklich, nur deren Lebensweise, nur deren Systeme sind die einzig wahren und richtigen Wege. Alle anderen sind Dumpfbacken, die man ohne Aufforderung von der eigenen Erhabenheit und Sichtweise überzeugen muss.
Habt Ihr alle Langeweile und kein Leben? Geht mal raus an die frische Luft und lasst das Smartphone zu Hause.
Ich hätte es vor ein paar Jahren nicht gedacht. Aber meine Block- und Stummschaltliste im Fediverse wächst und wächst. Zu Beginn meiner Zeit im Fediverse, war es ein entspannter Ort. Inzwischen habe ich gelernt, da sind auch nur Menschen – mit all ihren Stärken und Schwächen – unterwegs. Und dann sind die Filterfunktionen von Mastodon wirklich eine tolle Sache.
Edit: Für ganz schlichte Gemüter noch ein Nachtrag: Ich finde es klasse, wenn Menschen im Netz Dinge erklären und Alternativen zeigen. Mir geht es um diese ständige, ungefragte Missionierung von oben herab. Ich habe diese Worte nun besonders langsam geschrieben, damit sie ganz langsam in der Denkmulde ankommen. Vielleicht werden diese dann auch verstanden und nicht komplett schräg interpretiert.
