Gegensätze – Projekt 52
Gegensätze: Zwischen Dokumentation und Wäscheberg – Mein Leben als Ordnungs-Jekyll und Chaos-Hyde
Wenn ich morgens ins Büro komme, schalte ich in den „Admin-Modus“: Monitoring kontrollieren, Netzwerkschema aktuell, Backup läuft – und wehe, jemand fasst meine Dokumentationsstruktur an, ohne Handschuhe. Ordnung ist wichtig. Ohne Ordnung bricht alles zusammen. Chaos ist der Feind in der IT.
Und dann geh ich nach Hause.
Da begrüßt mich mein Wohnzimmer mit der eleganten Aura eines explodierten IKEA-Katalogs. Die Fernbedienung ist irgendwo unter dem Sofakissen verschwunden, der Wäschestapel auf dem Stuhl hat mittlerweile das Recht auf Untermietvertrag. Und mein Schreibtisch daheim? Der dient hauptsächlich als Ablage für Dinge, die „später mal wichtig sein könnten“, aber eigentlich fristgerecht in die Altpapiertonne gehören.
Willkommen in meinem Doppelleben: Tagsüber strukturiert bis zum letzten VLAN, abends ein Freigeist im kreativen Chaos.
Ordnung muss sein in der IT
Im Job bin ich Ordnungsfanatiker. Nicht aus Prinzip, sondern aus purem Selbstschutz. Wer schon mal in einer ungepflegten Dokumentation nach der Ursache eines Netzwerkproblems suchen musste, weiß: Das ist wie eine Schatzsuche, nur ohne Schatz.
Ich arbeite mit Systemen, bei denen „ein bisschen Chaos“ bedeutet, dass irgendwer versehentlich das Produktivsystem rebootet hat, weil die VMs nicht ordentlich beschriftet waren oder ein Kabel am Switch gezogen hat, aus Unwissenheit darüber, welcher Server am anderen Ende hing.
- Also: klare Ordnerstrukturen, saubere Notizen, strukturierte Backuplösungen.
- Ja, ich manage Updates zentral und spiele die zeitnah aus.
- Ja, ich dokumentiere auch die Dokumentation (ISMS sei Dank).
- Und nein, ich habe das nicht ganz freiwillig angefangen – aber jetzt lebe ich damit.
Chaos hat Charme – zumindest daheim
Zuhause hingegen, sagen wir mal so: Ich habe einen sehr großzügigen Begriff von „System“.
- Kabelsalat? Nennt man heute doch Design-Mesh oder?
- Der Wäscheberg? Ein visuelles Statussymbol meiner Produktivität.
- Das Spieleregal – ähm Stopp – hier herrscht Ordnung. Alles alphabetisch sortiert, schaut aber nicht in Fächer oder Schubladen.
Und ganz ehrlich? Es hat etwas Befreiendes, wenn man mal nicht alles in Listen, Prozesse und Ordnungsboxen quetscht. Ich kann ja schlecht auch noch im Wohnzimmer ein Support-Ticket anlegen, nur weil ein Pulli überm Sofa liegt.
Zwischen beiden Welten – mein Gleichgewicht der Gegensätze
Ich hab lange gedacht, ich müsste mich entscheiden: Entweder disziplinierter Ordnungsmensch oder entspannter Chaot. Aber heute sehe ich: Beides hat seinen Platz. Und vielleicht sogar seinen Sinn.
- Im Beruf sorgt meine Liebe zur Ordnung dafür, dass Dinge funktionieren.
- Im Privatleben sorgt mein Hang zum Chaos dafür, dass ich atmen kann.
- Und irgendwo dazwischen – zwischen Dokumentation und Wäscheberg – finde ich meine Balance.
Also ja: Ich bin ein Ordnungs-Jekyll mit einem Chaos-Hyde. Und ich vermute, das geht nicht nur mir so. Vielleicht sind wir alle ein bisschen bipolar, wenn’s um Struktur geht. Und vielleicht ist genau das okay.
Sari veranstaltet seit vielen Jahren auf ihrem Blog Heldenhaushalt die Linkparty Projekt 52. Jeden Monat werden 4-5 Themen vorgeschlagen, zu denen man dann Fotos macht, einen Beitrag erstellt oder ein Social-Media Posting. Für mich ist das eine tolle Motivation, ein wenig auf dem Blog zu schreiben. Warum habe ich diese schöne Aktion nicht früher entdeckt?
Links zur Aktion:
