
Brettspiele: Zwischen Nostalgie und Neuheitenwahn
Es wird mal wieder Zeit am #BG2GETHER teilzunehmen. Die Frage für den April gefällt mir ausgesprochen gut:
Welches sind denn die ältesten Spiele, die du besitzt und immer noch regelmäßig spielst? Bist du im Hype Train gefangen oder doch eher die Fraktion früher war alles besser? Wie haben sich Spiele für dich im Laufe der Zeit verändert und was würdest du dir denn zurückwünschen?
Wenn ich meine Spielesammlung nach lieben Klassikern durchstöbere, stoße ich immer wieder auf Carcassonne. Kein Schnickschnack, keine Miniaturen, keine App-Anbindung – einfach Plättchen, die Ur-Meeples und ein Spielgefühl, das auch nach Jahren noch funktioniert. Es ist das älteste Spiel, das wir besitzen – und gleichzeitig eines, das immer wieder auf den Tisch kommt. Nicht, weil es hip ist. Sondern, weil es gut ist.
Früher war alles besser? Nein. Aber anders.
Ich bin keiner, der sich mit verschränkten Armen in den Sessel lehnt und behauptet, „früher war alles besser“. Im Gegenteil: Ich liebe viele der neuen Spiele! Die Ideen, die Mechaniken, das Design – da hat sich wahnsinnig viel getan. Und das ist auch gut so.
Aber: Ich renne auch nicht mehr jedem Hype hinterher. Diese Kickstarter-Boxen, die eher wie Umzugskartons daherkommen, reizen mich mittlerweile kaum noch. Zu viele Spiele, zu wenig Zeit – und zu oft das Gefühl, dass der Glanz der Neuheit schneller verblasst als ein schlecht gedrucktes Papp-Insert. Auch so mancher Messe Hype löst sich schnell in Ernüchterung auf. Das gilt natürlich nicht für alle Spiele. Dieses Jahr haben SETI und Civolution voll unseren Nerv getroffen. Und bei beiden Spielen bin ich mir sehr sicher, dass man auch in Jahren noch darüber reden wird. Bei anderen Messekäufen müsste ich jetzt schon überlegen, welche das waren. Kein gutes Zeichen.
Spielen im Wandel
Was hat sich für mich verändert? Früher war ich neugieriger, vielleicht auch leichter zu beeindrucken. Heute weiß ich, was mir gefällt – und was ich von einem Spiel erwarte. Ich bin entspannter geworden. Ich spiele bewusster. Und ich genieße es, ein Spiel öfter zu spielen, statt ständig das nächste Neue aufzureißen. Dazu kommt, dass ich/wir nun abwarten beim Kauf von Spielen. Es muss nicht mehr die englische Version zum UVP auf der Messe sein. Es reicht auch zu warten, bis die deutsche Version herauskommt, die vermutlich im Handel günstiger sein wird. (OK, irgendwelche wahnwitzigen Steuer-Entwicklungen mal außen vor gelassen.)
Dabei fällt mir auf, dass viele alte Spiele einfach … Bestand haben. Sie brauchen kein überladenes Material oder 40-seitige Regelwerke. Sie funktionieren, weil sie eine gute Idee konsequent umsetzen. Und vielleicht wünsche ich mir genau das manchmal zurück: den Mut zur Einfachheit. Zur Klarheit. Zum Spiel, das nicht alles will – aber das, was es will, richtig macht.
Ein Blick zurück – und nach vorn
Ich möchte nicht zurück in die Zeit vor 20 Jahren. Aber ich möchte das Beste von damals mit dem Besten von heute kombinieren. Alte Schätze wieder entdecken. Neue Spiele mit kritischem Blick auswählen. Und mich daran erinnern, dass es am Ende nicht die Anzahl der Spiele im Regal ist, die zählt, sondern die Abende, die wir gemeinsam am Tisch verbringen und Spaß beim Spielen haben.
Was ist #BG2GETHER?
Was ist dieses #BG2GETHER eigentlich? Die Aktion wurde von Christian und seinem Blog Spielstil ins Leben gerufen. Jeden Monat wird ein Thema vorgegeben und dann können Blogger, Podcaster, YouTuber und andere Content-Ersteller sich darüber auslassen. Da wir spannender schreiben als reden oder videografieren können, machen wir das natürlich auf unserem Blog.
Weitere Beiträge
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Kommentarbereich


Ich glaube das älteste Spiel, das ich auch noch immer im Schrank habe und bis heute gerne spiele, das ist das Verrückte Labyrinth. Immerhin heutzutage vom Prinzip her gleich geblieben und in vielen Versionen raus gekommen. Tatsächlich haben wir inzwischen auch die Pokemon Variante für den kleinen Sohn und die Harry Potter. Achja und irgendwann kam die Kleinkind-Variante raus, die haben wir von Cars.
Aber es kamen auch neue Varianten in Spielform raus. 3D Verrücktes Labyrinth zum Beispiel und damit tue ich mich schwer. Auf einmal Ebenen hoch klettern usw… *lach*
Aber ich finde auch, nur weil liebgewonnenes mehr und mehr durch modernere Ideen ersetzt werden, dass diese nicht „böse“ sein müssen. Wie in allen anderen Bereichen auch schadet es nicht sich für Neues zu öffnen. Es kann neuen und anderen Spaß rein bringen.
An das Verrückte Labyrinth kann ich mich auch noch sehr gut erinnern. Als Kind habe ich das echt gerne gespielt.
Ich sehe es ähnlich wie du. Früher gab es noch nicht die Masse an neuen Spielen. Heute werden wir überschwemmt. Umso schöner, wenn wir mal wieder richtig gute Spiele wie die oben genannten in der Hand halten.
In Anbetracht dessen, was Brettspiele mittlerweile kosten, spielen wir tatsächlich meistens aus den Beständen und kaufen nur ganz selten mal etwas Neues (und wenn, sind das dann eher „kleine“ Spiele wie eine Exit-Box und so weiter). Derzeit erhitzen sich die Gemüter mal wieder regelmäßig bei Risiko – das stammt aus den 70ern. ;)
Das verrückte Labyrinth habe ich früher auch geliebt… müsste glatt mal schauen, ob wir das noch haben.
Risiko, das war immer mein Antispiel, damit bin ich nie warm geworden. Selbst mit der Herr Der Ringe Version nicht und das will was heißen.
Toller Beitrag, finde mich in sehr vielen Dingen wieder, bei mir gehörten Spiele schon immer fest zur Familienzeit dazu, meine Eltern haben früher schon viel mit uns gespielt, dann im Teenageralter waren andere Dinge wichtiger und interessanter, besonders die virtuellen Spiele, doch irgendwann wollte man dann wieder mal am Tisch sitzen. Seit gut 10 Jahren sind daher auch wieder Brettspiele ein fester Bestandteil meiner Freizeit. Alte Spiele kommen da kaum noch auf den Tisch, das älteste Spiele, dass wirklich regelmäßig bei uns gespielt wird ist da tatsächlich das grandiose Terraforming Mars, dass ja noch nicht mal 10 Jahre auf dem Buckel hat. Eigentlich müsste ich hier 7 Wonders nennen, aber die letzte Partie ist mittlerweile bestimmt schon 1,5 Jahre her – aber auch nur, weil wir einfach zu 75% zu 2 spielen.
Bezüglich des Hypetrains habe ich mir mittlerweile auch die Hörner abgestoßen, es gibt zwar immer noch Kickstarter, die mich interessieren, aber da war ich früher doch deutlich schneller und häufiger direkt dabei – leider dann auch einige Male enttäuscht worden. Wir haben immer noch ungespielte Spiele im Regal, kaufen trotzdem hin und wieder Neues, aber deutlich durchdachter als früher.
Lieben Gruß
PS: Das verrückte Labyrinth wurde bei uns auch totgespielt, gut, dass es damals noch keine Trackingapps gab.
Wir haben hier noch „Landlord’s Game“ (die Ur-Version von Monopoly) und eine „Mensch, ärgere dich nicht“-Version aus Holz, die mein vor Jahren verstorbener Großvater (ein Schreinermeister) als Gesellenstück angefertigt hat.
Die Felder als Vertiefungen im Holz, lackierte Figürchen aus Holz, bei allen zum jeweiligen Spieler gehörenden Spielfeldern sind die Fasen (?) der Vertiefungen lackiert und für jeden Spieler gibt es eine Vertiefung für den Würfel.
Ich würde mir nicht extra ein Smartphone kaufen wollen, um darauf für ein Brettspiel eine App zu installieren, die sowieso nach wenigen Jahren wieder weg ist (weil das Entwicklerstudio insolvent ist oder von einem Marktteilnehmer „geschluckt“ und geschlossen wird etc.).
Oh cool, so ein altes Mensch-ärgere-Dich-Nicht würde ich auch in Ehren halten.